30. Juli 2008

“After Nature” im New Museum in New York

Kategorie: Ausstellungen — Nic Knatterton @ 14:49

26 Künstler präsentieren derzeit ihre ganz eigene Vision der Apokalypse in der Ausstellung „After Nature“ im New Museum in New York. Über 90 Werke von Malern, Videokünstlern und Schriftstellern sind hier versammelt und beschwören gar dunkle Zukunftsbilder. Egal ob durch unsichtbare Kräfte, Umweltzerstörung oder Krieg die Menschheit ist unwiederbringlich dem Untergang geweiht.

Inspiriert wurde der Kurator Massimiliano Gioni, wie er sagt, von zwei Deutschen: dem Schriftsteller W.G. Sebald und dem Regisseur Werner Herzog. Von Sebalds Buch „Nach der Natur“ stammt der Titel der Ausstellung. Werner Herzogs Film „Lektionen der Finsternis“ über die brennenden Ölfelder in Kuwait nach dem ersten Golfkrieg bildet ein Kernstück von „After Nature“.

Werke von lebenden Künstlern wie Maurizio Cattelan oder Artur Zmijewski sind hier ebenso ausgestellt wie auch von den bereits verstorbenen wie Eugene Von Bruenchenhein oder August Strindberg.

Die Ausstellung läuft noch bis 21. September 2008

29. Juli 2008

Gabriel García Márquez: Journalistische Arbeiten

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 10:50

Romane wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ haben ihn weltberühmt gemacht. Die Rede ist von dem Kolumbianer Gabriel García Márquez. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sich Márquez auch journalistisch betätigt. Diese Arbeiten sind nun im fünften Band von „Dornröschens Flugzeug“ (Kiepenheuer & Witsch) nachzulesen. Texte zum aktuellen Zeitgeschehen, Alltagsthemen und Reiseerlebnisse sind hier versammelt und beeindrucken durch die literarische Qualität.

In der Titel gebenden Geschichte “Dornröschens Flugzeug” berichtet der an Flugangst leidende Márquez von einer schlafenden Schönen auf dem Nebensitz, die dem Leser in dem Roman “Erinnerung an meine traurigen Huren” wieder begegnen. Wie die Romane auch, sind die journalistischen Arbeiten von jener Mischung aus Realität und Fiktion durchdrungen, mit der er zum Grand Senieur des „Magischen Realismus“ wurde.

In den Reportagen, Glossen und Kommentaren, die im Verlauf von mehr als zwanzig Jahren, zwischen 1961-1984 entstanden sind, gibt Gabriel García Márquez ein facettenreiches und unterhaltsames Bild seiner Welt.

27. Juli 2008

Youssef Chahine ist tot

Kategorie: Kino — Nic Knatterton @ 10:45

Ägypten trauert um seinen Starregisseur. Youssef Chahine ist gestern im Alter von 82 gestorben. Chahine, am 25.1.1926 in Alexandria geboren, drehte über 40 Filme, die sowohl religiöse, politische als auch historische Stoffe verarbeiten. Aufmerksamkeit in Europa erregte Chahine 1955, als er mit dem Film „Tödliche Rache“ mit Omar Sharif in Cannes vertreten war. Der endgültige Durchbruch kam dann schließlich 1985 mit dem Film “Adieu Bonaparte“ mit Michel Piccoli in der Hauptrolle.

Besonders geschätzt war der Regisseur wegen seiner mutigen und furchtlosen Filme, die weder vor der staatlichen Zensur noch vor den Islamisten in die Knie gingen. Zwar widmete sich auch Chahine in seinem umfangreichen Werk ausgiebig den ewig-menschlichen Themen Liebe, Hass, Betrug und Glaube. Seine Alexandria-Trilogie trägt starke autobiografische Züge. Doch der koptische Christ, der in Alexandria geboren wurde und aus bürgerlichen Verhältnissen stammt, war auch ein politischer Regisseur. 1997 wurde er in Cannes für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

25. Juli 2008

Über Wasser

Kategorie: Dokumentationen, Kino — Nic Knatterton @ 10:54

Auf den Spuren eines Elements begibt sich Regisseur Udo Maurer in „Über Wasser“ auf eine Weltreise. Das Wasser, natürliche Lebensgrundlage, verliert immer mehr an Selbstverständlichkeit. In immer extremeren Erscheinungsformen – Dürre, Sintflut, Verschmutzung – entwickelt es eine Dramatik, die die Grundfesten der menschlichen Zivilisation erschüttert. (weiterlesen…)

24. Juli 2008

Die Macht der Frauen

Kategorie: Kultur und Lifestyle Allgemein — Nic Knatterton @ 10:00

Eigentlich erzählt uns Benedetta Craveri nichts, was wir nicht eh schon wussten: dass ein mächtiger Mann ohne Frau an der Seite nur halb so mächtig ist. Aber Craveri widmet sich in ihrem neuen Buch “Königinnen und Mätressen. Die Macht der Frauen“ keinen Persönlichkeiten des aktuellen Zeitgeschehens, sondern den Damen des französischen Königshofes von Katharina de Medici bis Marie Antoinette.

 Königinnen und Mätressen

Ausgangspunkt ihrer umfangreichen Studie über den Einfluss der royalen Gefährtinnen ist die ungesicherte Stellung der Frauen zwischen dem 16. Jahrhundert und der französischen Revolution. Dabei entstehen ganz unterschiedliche, äußerst lesenswerte Portraits. Da sind zum einen die Gattinnen, geehelicht aus Gründen der Staatsräson: Katharina von Medici, Königin Margot, Maria von Medici, Marie Antoinette; und auf der anderen Seite die Maitressen: Diane de Poitiers, die drei Schwestern Mailly, Madame de Maintenon und Madame du Barry, die nicht minder Einfluss auf die Geschicke des Landes nahmen. Vom verführerischen Vamp über die kluge, weitsichtige Dame von Welt bis hin zur machtgierigen Intrigantin sind hier alle Spielarten des weiblichen Einfallsreichtums zu entdecken.

23. Juli 2008

Klassiker mit Pep

Kategorie: Theater — Nic Knatterton @ 09:59

Der Sturm“, gehört wahrscheinlich mit zu den meist inszenierten Komödien Shakespeares, an die sich auch Christian Pucher sehr einfallsreich und gelungen für die Kammerspiele gewagt hat.

Erzählt wird die Geschichte von Prospero (Hildegard Schmahl), der von seinem Bruder Antonio vertriebene Herzog von Mailand. Zusammen mit seiner Tochter Miranda (Katharina Schubert) lebt er auf einer einsamen Südseeinsel, deren Bewohner, den Hexensohn Caliban (Thomas Schmauser) und den Luftgeist Ariel (Wolfgang Pregler) er sich dienstbar gemacht hat. Nach zwölf Jahren Aufenthalt, erleiden Alonso (Walter Hess), König von Neapel, sein Sohn Ferdinand (Oliver Mallison), sein Bruder Sebastian (Jörg Witte) und im Gefolge auch Antonio (René Dumont) vor der Insel in einem von Prospero mit magischen Kräften entfachten Sturm Schiffsbruch. Was nun folgt, ist ein ausgeklügelter Plan Prosperos, der die vergangenen und gegenwärtigen Schicksale der Überlebenden des Schiffsunglücks und der Inselbewohner verhandelt.


© Arno Declair

Aufgeppt mit Video-Installationen, Musik- und Gesangseinlagen ist die Inszenierung von Pucher eine absolut zeitgemäße Angelegenheit. Aus Shakespeares Sirenen werden Disco-Tänzerinnen und aus dem weisen Prospero ein Machtmensch– brillant gespielt von Hildegard Schmal – der das Schicksal der Gestrandeten in seiner Hand hält. Pucher hat in seiner Inszenierung vor allem den Fokus auf die komischen Aspekte gelegt, ohne aber dabei ins Oberflächliche zu verfallen. Eine gelungene Inszenierung mit grandiosen Schauspielern. Wird in der Spielzeit 08/09 wiederaufgeführt.

22. Juli 2008

Verfilmung „Stadt der Blinden“

Kategorie: Kino, Literaturverfilmungen — Nic Knatterton @ 15:46

Literaturverfilmungen gelingen ja in der Regel eher selten, oder werden dem Original nicht gerecht. Mit Spannung wird jetzt die Umsetzung des wirklich genialen Romans „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago erwartet. Regie führt Fernando Meirelles, der 2002 schon mit „City of God“ in Cannes für Aufsehen gesorgt hat.

Die Geschichte ist schnell erzählt: völlig ohne Vorwarnung und ersichtlichen Grund verbreitet sich seuchenartig eine Blindheit unter der Bevölkerung einer x-beliebigen Stadt. Nach und nach werden alle ihre Bewohner blind und können nur noch Weiß sehen. Nur die Frau (Julianne Moore) eines Doktors (Mark Ruffalo) bleibt von der Erkrankung verschont. Allerdings stellt sie sich blind, um nicht von ihrem Mann getrennt zu werden, denn die Erblindeten werden von einer panischen Außenwelt in eine ehemalige Heilanstalt gepfercht und dort mit Ausnahme von regelmäßigen Nahrungslieferungen ihrem Schicksal überlassen. Während die öffentliche Ordnung in Chaos versinkt, kümmert sie sich um ihren Mann und wird zum Hoffnungsträger für die Menschen. Mit ihrer Hilfe gelingt einer kleinen Gruppe die Flucht aus der Quarantäne.

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Das Buch ist eine grandiose und schonungslose Parabel über die moralischen Abgründe der Menschen. Es wird abzuwarten sein, wie Meirelles die visuelle Umsetzung der „Blindheit“ gelingt. Die Kritiken fallen unterschiedlich aus. Über eins scheinen sich die Journalisten allerdings einig zu sein, dass die Musik nicht wirklich gelungen ist und die Erzählerstimme aus dem Off (im Original Danny Glover) nervt. Bei uns läuft der Film am 23. Oktober an.

Die Stadt und die Hunde

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 11:40

Eines der grandiosesten und erzähltechnisch komplexesten Bücher aus der Feder des Peruaners Mario Vargas Llosa ist „Die Stadt und die Hunde“ (La ciudad y los perros) aus dem Jahre 1962.

Der Roman behandelt das Thema des Heranwachsens junger Menschen in einer korrupten Gesellschaft. Ort des Geschehens ist die Kadettenanstalt „Colegio Militar Leoncido Prado“ in Lima. In diesem Mikrokosmos eingebettet, sind die Kadetten, kurz „Perros“ (Hunde) genannt. Hier herrscht das Recht des Stärkeren. Die Geschichte kreist um vier Protagonisten Alberto Fernández, genannt „El Poeta“ (der Dichter), Porfirio Cava, Boa und ihr Anführer „El Jaguar“, die ihr letztes Jahr an der Militärschule vor sich haben. Als der Kadett Ricardo Arana, nur „El Esclavo“ genannt, ein Mitglied der Gruppe wegen einer Missetat verrät. „Jaguar“ will sich wegen des Verrats an ihm rächen, aber geht dabei zu weit: bei einer Übung erschießt er den „Sklaven“. Seine Täterschaft bleibt zunächst unentdeckt und am Ende der Ermittlungen wird der Vorfall als ein bedauerlicher Unfall dargestellt. Nur Alberto hat den „Jaguar“ gesehen und verfällt in einen moralischen Konflikt, die Wahrheit zu offenbaren oder sie für sich zu behalten. Als er sich schließlich Leutnant Gamboa anvertraut, will dieser keinesfalls die Untersuchungen neu aufrollen, sondern den wahren Sachverhalt verschleiern, um den Ruf der Militäranstalt nicht zu gefährden. Alberto muss seine Anschuldigungen widerrufen.

Die kriminalistische Geschichte ist sehr komplex strukturiert, vor allem, was die Charaktere der Protagonisten betrifft. Keiner von ihnen ist nur gut oder nur böse. Die Figuren treten alle als selbstständige Erzähler auf, die durch einen eigenen Sprachstil und eine unverwechselbare Ausdrucksweise charakterisiert sind. Ein krasses, aber tolles Buch.

20. Juli 2008

Entstehung des Schachspiels

Kategorie: Kultur und Lifestyle Allgemein — Nic Knatterton @ 11:36

Eine genaue Geburtsstunde des Schachspiels ist nicht bekannt nur, dass es schon sehr alt ist. Ebenso wenig weiß man woher es kommt, noch wer die erste Partie gespielt hat. Bis ins 19. Jahrhundert suchte man vergeblich nach dem Erfinder, des schwersten Spiels der Welt. Aristoteles, der babylonische Philosoph Xerxes, der chinesische Kaiser Kaiser Wu Ti oder aber Palamedes, Pythagoras oder Philometer wurden schon als Väter benannt. Erst im 20. Jahrhundert ist man von dem Gedanken eines einzelnen Erfinders abgewichen und sieht die Entwicklung der Regeln als Konglomerat aus verschiedenen Quellen und Formen.

Schachspiel

Eine der wichtigsten Quellen ist die des arabischen Schriftstellers al-Sabhadi über Sissa, den Sohn des Dahir. Glaubt man al-Sabhadi, so hat Sissa das Schachspiel zur Läuterung des Tyrannen Shahrâm erfunden. Dem Herrscher gefällt das schwierige Spiel und will ihr dafür belohnen. Dieser antwortet dem König, er wolle so viele Weizenkörner, die nötig sind, um die 64 Felder des Schachbretts zu füllen und zwar indem er ein Korn auf das erste Feld, zwei auf das zweite, vier auf das dritte, acht auf das vierte und so weiter, legt. Über die vermeintliche Bescheidenheit Sissas gerät Shahrâm in Wut und bestraft ihn zum Tode. Kurz vor der Hinrichtung, nach langem Rechnen, präsentieren Mitarbeiter des Königs die Zahl der Weizenkörner. Es sind 18.446.744.073.709.551.651. Die Menge die Sissa gefordert hat, übersteigt alle Ernten der Welt. Ganz Indien könnte mit einer Meter hohen Schicht Weizen bedeckt werden und zur Aufbewahrung benötigte man einen Getreidespeicher von zwölf Billionen Kubikmetern. Die Klugheit Sissas beeindruckte den König tief und er macht ihn zu seinem Berater. So viel zur Legende vom Weizenkorn.

Ein gesicherter Hinweis auf die Existenz des Schachspiels findet sich im dem persischen Buch vom Schatrang, in dem berichtet wird, dass ein König aus Indien dem persischen Herrscher ein Schatrang (Schachspiel) aus 16 roten und grünen Teilen übersandte, um seine Intelligenz zu prüfen. Nach einigen Tagen gelingt es dem persischen Weisen, das Rätsel zu lösen:

Der König (Schah) stellt die beiden höchsten Oberhäupter dar; zu seiner Seite der Befehlshabende General(Farsin), der Elefant (Pil) fungiert als Befehlshaber der Wache; das Pferd (Asp) hat den Platz des Kommandanten der Kavallerie inne; der Kriegswagen (Rukh) zur linken und zur rechten Hand dient zur Bezeichnung der ausgewählten Einheiten, und die Fußsoldaten (Piyada) stellen die Truppen auf dem Schlachtfeld dar.

Das Ensemble des persischen Schatrang entspricht in manchem der indischen Heeresordnung - dem Chaturanga. Sie ist im Sanskrit-Epos Mahâbhârata beschrieben, dem Bericht vom großen Kampf der Nachkommen des Bharata, das etwa von 400 v. bis 400 n. Chr. kompiliert worden ist. Das indische Heer bestand aus vier Teilen; den Elefanten(hastin) den Streitwagen (ratha), den Reitern (áswa)und Fußsoldaten (padâti). Dazu kommt als Anführer der König (raja), was die Vermutung nahe legt, dass es sich beim Schachspiel ursprünglich um ein Modell der indischen Armee handeln könnte, die auf dem Ashtapada, dem Spielbrett, mit Figuren nach gebildet wurde.

Quelle: Schach, Die Kunst des Schachspiels, Ernst Strouhal

19. Juli 2008

Female Trouble

Kategorie: Ausstellungen — Nic Knatterton @ 12:00

Den Versuch weibliche Klischees und Stereotypen über Bord zu werfen, unternimmt aktuell die FotoausstellungFemale Trouble“ in der Münchner Pinakothek der Moderne. Sie versammelt fotografische Arbeiten von Künstlerinnen aus den vergangenen 150 Jahren, die sich mit dem Bild des Weiblichen und seiner Konstruiertheit beschäftigen. Im Fokus stehen zeitgenössische Künstlerinnen wie Cindy Sherman, Sarah Lucas und Pipilotti Rist, die mit Hilfe von Fotografie und Videokunst das Bild des Weiblichen untersuchen, es dekonstruieren und neu bestimmen. Zugleich aber spannt die Ausstellung den Bogen ins 19. und frühe 20. Jahrhundert, wo Frauen wie die Gräfin Castiglione oder die Künstlerinnen Claude Cahun und Florence Henri die Fotografie als Mittel der (Selbst)Inszenierung und -befragung entdeckt haben. Durch die Erfindung der Fotografie vor 170 Jahren hatten die vom Kunstbetrieb ausgeschlossenen Frauen endlich eine eigene Möglichkeit sich künstlerisch zu betätigen. Die Ausstellung folgt dem Wandel der Weiblichkeit anhand von Fotografie und Videokunst auf eine humorvolle, ironische und provozierende Art und Weise, die zeigt, was die Frauen bis heute erreicht haben.

Female Trouble. Fotografien.
18. Juli bis 26.Oktober
Pinakothek der Moderne