26. November 2008
Kaum jemand weiß, dass sich hinter dem Koran- Übersetzer, ehemaligen pakistanischen Botschafter bei der UN und Vordenker des Islam, Muhammad Asad (1900-1992), eigentlich ein Österreicher verbarg. Jetzt hat sich sein Landsmann Georg Misch dieser außergewöhnlichen Vita angenommen. Als Leopold Weiss 1900 in Lemberg geboren, konvertiert der österreichische Jude 1926 in Palästina zum Islam über und nennt sich von nun an Muhammad Asad. Fasziniert von der Spiritualität dieser Religion, reist er auf einem Kamel durch die Wüste nach Mekka. Er studiert den Koran und lebt als Berater am Hof des Saudischen Königs. Nach Streitigkeiten mit den Saudis reist Asad nach Indien, wo er sich der Bewegung zur Gründung des pakistanischen Staates anschließt. Nach der Zeit als UNO-Botschafter für das junge Land, zog er sich nach Marokko zurück, wo er 17 Jahre lang an einer Übersetzung des Korans ins Englische arbeitete bis er 1992 schließlich starb.

Foto: mindjazz pictures
„Der Weg nach Mekka – Die Reise des Muhammad Asad“ folgt den verschiedenen Stationen von den Randgebieten der ehemaligen Donaumonarchie über das heutige Israel, Palästina, Saudi-Arabien, Pakistan und New York bis nach Marokko und Spanien. Parallel entblättert sich dabei ein vielschichtiges Bild des Islams, das zeigt wie gespannt das Verhältnis der Traditionalisten und Modernisten dieser Religion ist.
Mit den Worten von Asad: „Ich habe mich in den Islam verliebt, aber ich habe die Muslime überschätzt.“
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30. Oktober 2008
Seine Bilder und Figuren tragen eine ganz eigene, unverkennbare Handschrift. Immer tummeln sich dicke, üppige Frauen und Männer mit viel zu kleinen Köpfen auf den Gemälden von Fernando Botero. Der kolumbianische Maler und Bildhauer hatte zwar zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn nicht sofort den von ihm erwünschten Erfolg, aber mittlerweile ist er in aus der europäischen Kunstszene nicht mehr weg zu denken. Jetzt hat Filmemacher Peter Schamoni, der schon mit Künstlerbiografien von Max Ernst, Niki de Saint Phalle und Friedensreich Hundertwasser erfolgreich war, auch Botero zum 75. Geburtstag ein filmisches Werk gewidmet.
Foto: Concorde
Schamoni wirft einen Blick auf das Leben des Künstlers und seinen beruflichen Werdegang, den bewegten Weg aus ärmlichen Verhältnissen in Medellin, der einstigen Hochburg des kolumbianischen Drogenkartells, zur gefeierten Ikone eines ganz eigenen Stils. Schon mit zwölf Jahren begann Botero zu malen, mit 16 beteiligte er sich bereits an einer Ausstellung in seiner Heimatstadt. Der junge Künstler geht nach New York, kann sich jedoch gegen die damals herrschende Vormachtsstellung der abstrakten Malerei nicht durchsetzen. Nach neun Jahren hat er noch immer keine Galerie gefunden, die sich für seine figurative Malerei interessiert. Doch der Erfolg kommt - in Deutschland. Die Galerie Buchholz in München entdeckt und verkauft seine Bilder, fünf große Ausstellungen machen ihn bekannt. Nachdem er die Kunstszene Europas erobert hat, gelingt ihm auch in Amerika der Durchbruch und bald findet seine ausgefallene Ästhetik des Voluminösen zahlreiche Bewunderer auf der ganzen Welt.
Schamoni zeigt, dass sich hinter der auf den ersten Eindruck naiven Malerei ernste Themen verbergen, wie sie beispielsweise im Abu Ghraib Zyklus verarbeitet sind. Der Film begleitet den Künstler nicht nur in seine Skulpturen-Werkstatt in der Toskana, und in sein Pariser Maler-Atelier, auch in Kolumbien selbst wurde gedreht. Peter Schamoni, der Botero seit vierzig Jahren kennt, hat ein umfangreiches Künstlerportrait geschaffen, das ab 30.10 auch in den deutschen Kinos zu sehen ist.
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11. Oktober 2008
Als ausgewiesener Salvador Dalí Fan, hat mich diese Nachricht besonders gefreut: der große Al Pacino wird den katalanischen Surrealisten in „Dali & I: The Surreal Story“ unter der Regie von Andrew Niccol spielen. Das wird die zweite Zusammenarbeit der beiden sein, denn bereits in dem Fantasy-Streifen „S1m0ne“ spielte Pacino unter Federführung von Niccol die Hauptfigur Victor Taransky. Als Grundlage für den Dalí-Film dient die Autobiographie von Stan Lauryssen, einem Kunsthändler, der mit dem Maler sehr gut bekannt war.
Der Streifen konzentriert sich auf die 60er bis 80er Jahre und zeigt vor allem die späten Jahres des 1989 verstorbenen Surrealisten, in denen er seine größten Meisterwerke schon vollendet hat und sich mehr der Selbstvermarktung widmete. Nicht nur mit seinem eigensinnigen Stil, sondern auch mit seiner schillernden Persönlichkeit und seiner offenen Unterstützung des Diktators Franco zog Dalí die Aufmerksamkeit auf sich. Der Film ist noch in der Vorbereitung, wird aber 2009 fertig sein.
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24. September 2008
Über Romy Schneider ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Die Bildbände über die deutsch-österreichische Schauspielerin, die am 23. September 70 Jahre alt geworden wäre, sind schier unzählbar. An eine filmische Biographie hat sich bislang noch keiner gewagt, aber jetzt sind für 2009 gleich zwei Produktionen aus Deutschland geplant, die das bewegte Leben der Schauspielerin auf die Leinwand bringen.
In einer Kooperation von SWR, WDR und ORF verkörpert die Moderatorin und Schauspielerin Jessica Schwarz die mythenumwobene Romy, in einem für Anfang 2009 geplanten Fernsehfilm. Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf die 60e-Jahre und die Ehe mit dem Schauspieler und Theaterregisseur Harry Meyen (gespielt von Thomas Kretschmann), mit dem sie den später tödlich verunglückten Sohn David Christopher bekam. Das Drehbuch hat Benedikt Röskau, bekannt durch den Film „Contergan“, geschrieben. Zusammen mit Torsten C. Fischer als Regisseur soll ein Film entstehen, der eine Romy Schneider zeigt, wie sie noch keiner kennt.
In dem deutsch-französischen Film „Eine Frau wie Romy“ ist das Seriensternchen Yvonne Catterfeld in der Hauptrolle zu sehen und soll im Herbst 2009 in die Kinos kommen. Lassen wir uns überraschen.
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17. Juli 2008
Mit „I’m not there“ hat der New Yorker Filmemacher Todd Haynes niemand geringerem als Bob Dylan ein filmisches Denkmal gesetzt und das sogar mit dem Einverständnis des Ausnahmemusikers. Herausgekommen ist nach fünf Jahren Arbeit eine höchst eigenwillige und subjektive Annäherung an die Vita Dylan.

Gleich sechs Schauspieler verkörpern den Musiker in den verschiedenen Lebensabschnitten, was die Unfassbarkeit und der Vielschichtigkeit der Figur adäquat zum Ausdruck bringt. Zudem fordert Hayens den Zuschauer mit permanenten Zeitbrüchen, Rückblenden und vor allem viel Fiktion. Jedes Ich des Künstlers wird in einem anderen Ambiente zitiert. In dokumentarisch inszenierten Szenen tritt Christian Bale als der junge Dylan auf, Richard Gere wird in Anspielung auf Dylans Arbeit in Pat Garrett & Billy the Kid in den Wilden Westen verpflanzt, während Cate Blanchet in Dylans Drogen und Delirium Phase nur in Schwarz-Weiß zu sehen ist. Angereichert mit zahlreichen Original und Cover Songs des Meisters, präsentiert Haynes uns das multidimensionale Portrait einer Persönlichkeit, die sich jeder Festlegung und Eindeutigkeit verweigert und damit nur umso interessanter wird.
Auch wenn sich die Musikgeschmäcker an Bob Dylan scheiden, allein die enorme Komplexität und die spielerische Struktur aus Collage, Pseudo-Dokumentation, naturalistisches Drama, selbstreflexiver Film-im-Film oder überzogener Parodie mit der „I’m not there“ aufwartet, sind ein postmoderner Kinogenuss. Gibt’s bald auf DVD.
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1. Juli 2008
Biopics sind ja so eine ganz eigenen Sache, entweder sind sie super langweilig oder verherrlichen den Protagonisten bis an die Grenzen des Unerträglichen. Der Film „Control“ über Ian Curtis, dem Sänger der britischen Post-Punk-Band Joy Division stellt da eine willkommene Ausnahme dar.
Der Fotograf Anton Corbijn zeigt in seinem Filmdebüt, dass er auch was von bewegten Bildern versteht. Ausgerechnet die Musik von Joy Division veranlasste den Niederländer 1979 seine Heimat zu verlassen und sich der Fotografie zu widmen. So war es damals auch die junge englische Wave Band, die als erstes vor seiner Linse landete. Mit Aufnahmen von Nirvana oder U2 ist Corbijn längst in die erste Liga der Rockfotografen aufgestiegen. Knapp drei Jahrzehnte später hat er, basierend auf dem Buch „Touching from a Distance“ von Ian Curtis’ Witwe Deborah, das kurze Leben des Sängers verfilmt, das dem Titel der Vorlage verpflichtet scheint. In kühler Schwarz-Weiß Ästhetik zeichnet der Film die letzten Jahre des genialen Künstlers nach, die von innerer Zerrissenheit und der immer stärker zum Vorscheintretenden Epilepsie geprägt sind.

Sam Riley als Ian Curtis
Newcomer Sam Riley spielt Ian Curtis und zeigt, dass er ein ganz Großer ist. Nicht nur die eigenwillige und unverkennbare Bühnenpräsenz des Frontman bringt Riley absolut authentisch rüber, auch der düstere und schwere Gesang, zum Großteil selbst intoniert, ist kaum vom Original zu unterscheiden.
Der Film beginnt 1973, als Ian, glühender Fan von David Bowie und Iggy Pop, die nette Debbie kennen lernt. Die beiden verlieben sich und heiraten kurze Zeit später trotz ihres jungen Alters. Ian, der bei einer Arbeitsvermittlung sein Geld verdient muss sich bald zwischen Job und Musik entscheiden, als er Ende der 70er die Möglichkeit hat bei der neuen Band Joy Division mitzumachen. Seine künstlerischen Ambitionen und die familiären Verpflichtungen, die mit der Geburt der Tochter noch größer werden, lassen sich nur noch schwer vereinbaren und zu allem Überfluss diagnostiziert man auch noch Epilepsie bei ihm. Alkoholexzesse, Medikamente und Bühnenstress tragen nicht gerade zur Beruhigung seiner körperlichen Lage bei. Als Ian nach einem Konzert die belgische Journalistin Annik Honoré (Alexandra Maria Lara) kennen lernt und mit ihr eine Affäre beginnt, sieht seine gequälte Seele keinen Ausweg mehr. In der Nacht vor dem Start der USA-Tour erhängt sich der erst 23-jährige in seiner Küche. So traurig und tragisch das Ende, Ian Curtis hat seiner Nachwelt zwei Studio- und drei Livealben mit zeitlosen und genialen Songs wie „Warsaw“, „She’s lost control again“ und natürlich „Love will tear us apart“ hinterlassen. Erholung von Nostalgie und zu viel Erinnerung, jetzt einfach Ferienhaus Dänemark buchen und Erholungsurlaub starten 
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