19. November 2008

Oscar-Shortlist Dokumentarfilme

Kategorie: Dokumentationen, Kino — Nic Knatterton @ 15:35

Die Academy hat die Shortlist der potenziellen Oscar-Kandidaten als bester Dokumentarfilm bekannt gegeben. In diesem Jahr wurde die Rekordanzahl von 94 Dokumentarfilmen für die 81. Oscar-Verleihung eingereicht. Aus den zahlreichen Einreichungen hat das Dokumentarfilm-Komitee der Academy nun 15 Titel ausgewählt. Fünf dieser Filme werden am 22. Januar nominiert, bevor am 22. Februar der Gewinner gekürt wird.

Auf der Shortlist ist auch Werner Herzog mit seiner Antarktis-Doku “Encounters at the End of the World” vertreten. Bekannte Namen im Rennen sind außerdem Errol Morris und Stacy Peralta. Thematisch dominiert wie schon bei der vorhergehenden Verleihung die Politik, bei der „Taxi zur Hölle” von Alex Gibney über die Foltermethoden der US Armee in Guantanamo, Afghanistan und dem Irak den Oscar geholt hat.

Um eine Nominierung für den Dokumentarfilm-Oscar 2009 konkurrieren:

  • “Encounters at the End of the World” von Werner Herzog
  • Errol Morris’ Abu-Ghraib-Film “Standard Operating Procedure”
  • James Marshs “Man on Wire”, ein Porträt über den Seiltänzer Philippe Petit
  • Der Anti-Todesstrafe-Film “At the Death House Door”, von Steve James und Peter Gilbert
  • “The Betrayal” über einen Militäreinsatz der USA in Laos in den achtziger Jahren (Regie: Ellen Kuras)
  • “Fuel” von Josh Tickell über die Abhängigkeit der Amerikaner vom Öl
  • “Blessed Is the Match: The Life and Death of Hannah Senesh” von Roberta Grossman über eine ungarische Jüdin, die im zweiten Weltkrieg ums Überleben ihrer Familie kämpft
  • “The Garden” über einen Gemeinde-Garten im sozialen Brennpunkt South Central Los Angeles (Regie: Scott Hamilton Kennedy)
  • ” Glass: A Portrait of Philip in Twelve Parts ” von Scott Hicks über den amerikanischen Musiker und Komponisten Philip Glass
  • ” I.O.U.S.A.” über die Finanzkrise in den USA (Regie: Patrick Creadon)
  • “In a Dream” über Leben und Werk des Künstlers Isaiah Zagar (Regie: Jeremiah Zagar)
  • “Made in America” von Stacy Peraltaüber die L.A.-Gangs Crips und Bloods
  • ” Pray the Devil Back to Hell “, Giri Retickers Porträt einer Gruppe von Friedensaktivistinnen in Liberia
  • “They Killed Sister Dorothy”, von Daniel Junge über die Ermordung einer katholischen Nonne und Umweltaktivistin im brasilianischen Regenwald
  • ” Trouble the Water” (Regie: Carl Deal und Tia Lessin), über den Hurrikan Katrina

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26. Oktober 2008

Let’s make money

Kategorie: Dokumentationen, Kino — Nic Knatterton @ 12:51

Passend zur katastrophalen Finanz- und Wirtschaftslage kommt ein neuer Dokumentarfilm in die Kinos, der sich mit der Frage beschäftigt, was mit unserem Geld, das wir zur Bank bringen oder in Pensionsfonds anlegen passiert. „Let’s Make Money“ nennt sich der neue Streifen von Erwin Wagenhofer, der bereits 2005 mit „We Feed the World“ die Machenschaften der globalen Nahrungsmittelindustrie aufdeckte. Jetzt geht es der Finanzbranche an den Kragen. Nach drei Jahren schwieriger Recherchen und heikler Dreharbeiten präsentiert der 47-jährige Wiener Filmemacher die verworrenen und langen Wege des Geldes.
Wie schon in seinem entlarvendem Film über die Schattenseiten der Nahrungsmittelindustrie, operiert Wagenhofer auch hier mit der gleiche Methode: Er macht Experten und Betroffene ausfindig, begleitet sie auf ihren Wegen und lässt sie erzählen. Da kann einem dann schon Mal übel werden, wenn man Aussagen wie “Im neoliberalen Zeitalter ist alles verkürzt auf die aktuelle Erzielung einer höchstmöglichen Rendite, koste es was es wolle!” oder “Eigentlich sind unsere Banken gar keine Banken mehr, sondern organisierte Spieler.”, hört.

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Der Film zeigt, was Ottonormalverbraucher schon immer vermutet hat, aber nicht wahrhaben wollte: Mit der Eröffnung eines Kontos, klinken wir uns in die weltweiten Finanzmärkte ein –gewollt oder nicht. Und dann führt uns Wagenhofer dorthin, wo das Geld auf Kosten von afrikanischen Bauern, spanischen Bauarbeitern oder indischen Arbeitern vermehrt wird. Denn diese Teile der Dritten Welt, die „Emerging Markets“ heißen sind renditestarke, steuerfreie Entwicklungsmärkte, die für die internationalen Kapitalströme wie geschaffen sind. In Deutschland wird „Let’s make money“ ab 30. Oktober für Furore in den Kinos sorgen.

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25. Juli 2008

Über Wasser

Kategorie: Dokumentationen, Kino — Nic Knatterton @ 10:54

Auf den Spuren eines Elements begibt sich Regisseur Udo Maurer in „Über Wasser“ auf eine Weltreise. Das Wasser, natürliche Lebensgrundlage, verliert immer mehr an Selbstverständlichkeit. In immer extremeren Erscheinungsformen – Dürre, Sintflut, Verschmutzung – entwickelt es eine Dramatik, die die Grundfesten der menschlichen Zivilisation erschüttert.

„Über Wasser“ erzählt in drei Geschichten von der existentiellen Bedeutung des Wassers für die Menschheit. Im überfluteten Bangladesch, wo aus Häusern Boote werden, in der Steppe Kasachstans, wo Fischerdörfer nach dem Verschwinden des Aralsees plötzlich in einer Wüste stehen, und in den dichtbesiedelten Slums von Nairobi, wo Trinkwasser zur Ware und zu einer Frage von Leben und Tod wird.

Maurer zeigt die unterschiedlichen Probleme, ohne allerdings Lösungsansätze zu liefern. „Über Wasser“ erzählt vom alltäglichen Kampf ums Überleben in der Gegenwart und in der Zukunft, die zeigt, dass das Wasser direkt vor unserer Haustür nicht mehr nur Lebensgrundlage, sondern Gefahr geworden ist.

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11. Juli 2008

“Auge in Auge” - Eine deutsche Filmgeschichte

Kategorie: Dokumentationen, Kino — Nic Knatterton @ 16:09

Alle, die eine ebenso große Liebe zum deutschen Kino verspüren, wie Michael Althen und Hans Helmut Prinzler, die sollten sich den Film „Auge in Auge“, der seit 3. Juli im Kino läuft anschauen. Der Journalist und der Filmhistoriker haben sich daran gemacht auf eine Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte zu gehen. Dabei haben sie sich prominente Unterstützung geholt. Die Frage was eigentlich so deutsch am deutschen Kino ist, versuchen fünf Regisseure, zwei Regisseurinnen, ein Schauspieler, ein Drehbuchautor und ein Kameramann anhand ausgewählter Szenen ihres Lieblingsfilms zu illustrieren und erzählen, warum der Film für sie eine besondere Bedeutung hat.

Plakat Auge in Auge

Tom Tykwer beispielsweise hat durch Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ aus dem Jahre 1921 das Fürchten gelehrt, während Caroline Link „Heimat 1“ von Edgar Reiz (1984) wegen der mit Liebe und Geduld erzählten Geschichten besonders schätzt. Die meisten Filme sind bekannte Klassiker, die ihren Platz im Kanon des deutschen Films haben. Nur ein Film darf als weithin unbekannt gelten: „Rocker“ von Klaus Lemke (1971), der für Dominik Graf die großen Qualitäten einer authentischen Dokumentation hat. Der Autor Wolfgang Kohlhaase bewundert die Personenbeobachtungen und den Charme des späten Stummfilms „Menschen am Sonntag“ (1929) von Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer. Für Wim Wenders machen die visuellen Erfindungen und die fast dokumentarische Genauigkeit die besondere Bedeutung des Films „M“ (1931) von Fritz Lang aus. Den Film „Unter den Brücken“ von Helmut Käutner, von 1944, interpretiert Christian Petzold als Desertationsfilm, weil er sich dem damaligen
Kriegsgeschrei verweigerte. Hanns Zischler erinnert sich an die Verstörungen, die Alexander Kluges Aufbruchsfilm „Abschied von gestern“ (1966) bei ihm ausgelöst hat. Für Andreas Dresen sind die Dialoge von Wolfgang Kohlhaase in „Solo Sunny“ (1979) von Konrad Wolf noch heute unvergessen. Der Kameramann Michael Ballhaus beschreibt seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder bei dem Film „Die Ehe der Maria Braun“ (1978). Und für Doris Dörrie ist „Alice in den Städten“ von Wim
Wenders (1973) ein neuer, auch selbstironischer Blick des Regisseurs auf das Deutschland der siebziger Jahre, von dem sie viel gelernt hat.

Die Dokumentation „Auge in Auge“ schärft den Blick für großes Kino und macht Lust auf mehr.

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