16. März 2012

Frühjahrsgefühle

Endlich ist es wieder soweit – die Sonne scheint und die Bäume werden grün. Immer häufiger sind bunte Tupfer auf den Wiesen zu sein. Der Frühling kommt und die Sonne bringt auch die Gefühle und Hormone wieder in Schwung. (weiterlesen…)

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17. November 2008

„Alle glücklichen Familien“ von Carlos Fuentes

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 13:17

Endlich meldet sich Carlos Fuentes mit einem neuen Roman zurück. „Alle glücklichen Familien“ heißt der Text des mexikanischen Literaturnobelpreis Anwärters, in dem es aber um alles außer um glückliche Familien geht. Ganz im Gegenteil, Fuentes erzählt von Tragödien und Schicksalen. Genauer gesagt geht es um 16 Familien, die durch vorangestellte Gedichte verbunden, sich zu einem großen und schonungslosen Portrait über Mexiko zusammenfügen. Korruption, Machismo, Unterwerfung der Frauen, Gewalt und Armut, das sind die Hauptthemen des Romans, die Fuentes in den Mikrokosmos Familie transponiert. Da ist ein General, der seinen Sohn verrät, ein Priester, der seine uneheliche Tochter missbraucht oder aber ein vom Sohn verratener Vater.

Carlos Fuentes, der erst kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte wird von der Kritik nicht umsonst als größter lebender Romancier seines Landes gelobt. Die thematisch breit angelegten Geschichten weisen ihn neuerlich als Kenner menschlicher Schicksale, ironisch-distanzierten Gesellschaftskritiker und Sprachstilisten aus.

Liebessprüche

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16. Oktober 2008

Tod in den Anden

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 13:40

In die Welt des Aberglaubens und der Berggeister versetzt Mario Vargas Llosa seine Leser in dem Roman „Tod in den Anden“, genauer gesagt in das Bergarbeiterdorf Naccos. Dort soll der Polizist Lituma, der schon in Vargas Llosas erstem Erzählungsband „Die Anführer” und seinem Roman „Das grüne Haus“ aufgetreten ist und sein Kollege Tomás Carreño das Verschwinden dreier Männer aufklären. Zu Beginn deutet alles daraufhin, dass die Verschwundenen, ein Albino, ein stummer Behinderter und ein Straßenvorarbeiter, den blutigen Machenschaften der maoistischen Terroristen, die in der Umgebung ihre blutige Revolution machen, zum Opfer gefallen sind oder sich ihnen gar angeschlossen haben. Doch die Terroristengruppe ist nur einer der vielen Erzählstränge des Romans, die Vargas Llosa am Schluss zu einem Ganzen verbindet. Wie in den meisten anderen seiner Romane hat der Peruaner eine Vielzahl von Geschichten und Motiven verwoben. Politik, soziale Verhältnisse, magische Relikte, mythologische Archetypen, - all das führt die Erzählung auf dem Schauplatz des trostlosen Naccos zusammen. Das einzige Vergnügen der Bewohner, die hauptsächlich Arbeiter der dortigen Straßenbaugesellschaft sind, ist das allabendliche Besäufnis in der Dorfkneipe von Dionisos und seiner im Ruf einer Hexe stehenden Frau Doña Adriana. Bei den Befragungen stößt den beiden Ermittlern nur Misstrauen entgegen oder aber die Ereignisse werden durch das Wirken böser Berggeister, die nach Menschenfleisch dürsten erklärt. Wirklich spannend wird hier die Zerrissenheit eines Landes zwischen Tradition und Moderne, Rationalität und Aberglauben dargestellt. Und wie in allen Büchern von Vargas Llosa kommt auch in „Der Tode der Anden“ das große erzählerische Talent des Autors zum Ausdruck. Verschiedene Erzählstränge verweben sich kunstvoll zu einem Ganzen und durch geschickte Perspektivwechsel erschließen sich dem Leser Details aus der Vergangenheit. Auch wenn es an manchen Stellen recht derb und brutal zu geht, das Buch ist bis zur letzten Seite spannend. Mehr sei allerdings nicht verraten.

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11. September 2008

Mario Vargas Llosa: Tante Julia und der Kunstschreiber

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Nic Knatterton @ 11:37

Zu den weniger bekannten Romanen von Mario Vargas Llosa gehört wahrscheinlich der Roman „La tía Julia y el escribidor“ („Tante Julia und der Kunstschreiber“). Anders als in seinen früheren Romanen setzt sich der Peruaner nicht kritisch mit den Verhältnissen in seinem Heimatland auseinander sondern beschäftigt sich vielmehr mit der Frage nach der Möglichkeit des objektiven Schreibens und gibt dem Text so einen selbstreferentiellen Gehalt.

Erzählt wird die Geschichte von Tante Julia, einer 32-jährigen und attraktiven Bolivianerin, die nach ihrer Scheidung nach Lima kommt, um dort einen neuen Ehemann zu finden. Stattdessen verliebt sich ihr 18-jähriger Neffe Mario, genannt Varguitas, ein ambitionsloser Jurastudent, der sich durch einen anspruchslosen Job in einer Radiostation über Wasser hält, in sie. Sein Traum allerdings ist es sein Leben als Schriftsteller in einer Pariser Dachzimmerwohnung zu verbringen. Aus der anfänglichen versteckten Verliebtheit wird allmählich eine große Liebe, dann ein Skandal: die Familie versucht mit allen Mitteln die Ehe zu verhindern. Mario und Julia fliehen bis sie schließlich in der peruanischen Provinz einen bestechlichen Bürgermeister finden, der den Minderjährigen mit seiner vierzehn Jahre älteren Tante traut.


Foto: Suhrkamp Verlag

Der Roman besteht aus 20 Kapiteln, die sich in zwei Gruppen einteilen. Wird in den ungeraden Kapiteln die Geschichte der Protagonisten Mario und Julia erzählt, handeln die geradzahligen Kapitel von einer unabhängigen, aber in sich geschlossenen „Sex-and-Crime-Geschichte“ ohne Vibrator. Die Hautverbindung zwischen den beiden Polen des Romans bildet Pedro Camacho, ein besessener Radioredakteur, der mit trivialen Fortsetzungshörspielen die Einschalquoten des Senders aufbessern will und für den Mario arbeitet. Camacho steigert sich immer mehr in die von ihm geschaffene Scheinwelt hinein, bis er schließlich seine Figuren und Geschichten selbst nicht mehr auseinander halten kann und alles durcheinander bringt. Wird dem Leser schnell klar, dass die Handlung des Hörspiels in den geraden Kapiteln erzählt wird, löst sich der Knoten der ganz Geschichte allerdings erst im letzten Kapitel auf …. Ein ironisches, humorvolles und intelligentes Werk, das wirklich Spaß macht und zugleich die Probleme, mit denen sich ein seriöser Schriftsteller beim Schreiben konfrontiert sieht, beschreibt.

Solche Komplikationen sollte es bei einer Heirat Köln nicht geben.

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9. September 2008

“Rayuela” von Julio Cortázar

Kategorie: südamerikanische Literatur — Nic Knatterton @ 10:15

Ein Klassiker der argentinischen, experimentellen Literatur ist der Roman „Rayuela“ von Julio Cortázar aus dem Jahre 1963. Rayuela ist die spanische Variante des Kinderspiels Himmel und Hölle, in dem es darum geht, springend durch verschiedene Felder von einem Ort zum anderen und zurück zu kommen. Dieses Strukturprinzip hat Cortázar auf seinen Text angewandt, so dass der Leser die Rolle des Spielers einnimmt und selbst entscheiden kann welchen Weg er sich durch die, in verschiedener Weise kombinierbaren Kapitel bahnt. Dabei schlägt der Autor zwei Leseweisen vor: die lineare, also herkömmliche Leseart von Kapitel 1-56 unter Verzicht auf die Kapitel 57 bis 155, die man (wie der Autor selbst sagt) „getrost beiseite lassen kann“ und eine in „Rayuela“-Weise hüpfende, die zwischen Kapitel die Kapitel 1-54 und 56 die verzichtbaren Kapitel einschiebt und es mit Verweisungen am Ende dem Leser überlässt weitere Möglichkeiten zu suchen.

Inhaltlich steht der argentinische Intellektuelle Horacio Oliveira, der im ersten Teil des Romans (Kap. 1-36, Vom anderen Ufer) in Paris bei einer Bohémien-Gruppe, im zweiten Teil 37-56, Vom hiesigen Ufer) in Buenos Aires lebt, während der dritte Teil hauptsächlich aus Zeitungsmeldungen, Zitaten, Gedichten und Gesprächen besteht, die als Ergänzung zu den beiden anderen Teilen dienen.

Der desillusionierte und verzweifelte Argentinier ist auf der Suche nach sich selbst und einer Daseinsberechtigung, scheitert allerdings immer an seiner eigenen Handlungsunfähigkeit. Ständige Begleiterin und Geliebte Oliveiras im ersten Teil des Buches ist eine Ungarin namens „La Maga“. Die Beziehung der beiden beschränkt sich auf eine rein körperliche, denn bei den Diskussionen der intellektuellen Bohème über Literatur, Jazz, Kunst und Philosophie bleibt sie weitgehend außen vor. Im zweiten Teil setzt Oliveira seine Such in Buenos Aires fort, wo er hauptsächlich Umgang mit seinem alten Freund Traveler und dessen Frau Talita hat und das „absurde Leben“ fortsetzt. In verschiedenen Tätigkeiten sucht Oliveira Fuß zu fassen. Er arbeitet im Zirkus, dann in einer psychiatrischen Klink, wo er sich schließlich selbst ein Zimmer einrichtet um nur noch aus dem Fenster auf die im Hof aufgemalten Kreidestriche des Himmel-und-Hölle-Spiel zu schauen. In der ersten Leseversion bleibt das Ende völlig offen, die zweite deutet auf ein mögliches Weiterleben hin.

„Rayuela“ ist der experimentelle Roman par excellence Lateinamerikas, der sich inhaltlich in die europäische Tradition von Sprachkrise und deren Überwindung einordnet, aber formal durch den spielerischen Charakter und die damit verbundene “aktive” Haltung des Leser besticht.

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26. August 2008

Das Paradox bei Jorge Luis Borges

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 12:21

Jorge Luis Borges hat sich dank einer neuen Art von Poetik, der so genannten Neophantastik, einen rechtmäßigen Platz in der Weltliteratur gesichert. Eines der wichtigsten und grundlegenden Verfahren zur Erzeugung der dieser Phantastik ist für Borges das Paradox. Die Erzählungen Borges’ fingieren weniger etwas Phantastisches in der Welt als vielmehr ein Weltentwurf als paradoxes Denkgebäude. Anders als in der klassischen Phantastik des 19. Jahrhunderts, tritt in Borges Erzählungen kein rational unerklärliches Phänomen in die erzählte Geschichte ein und erhält dadurch eine phantastische Dimension, Borges entwickelt diese ausschließlich aus sprachlichen Verfahren.

Besonders beliebt bei dem Argentinier ist das eleatisches Paradox von Achill und der Schildkröte. Der griechische Philosoph Zenon behauptete, der Läufer Achill könne kein Wettrennen gegen eine Schildkröte gewinnen, falls diese vor ihm einen gewissen Vorsprung habe. Zenon argumentiert, dass immer dann, wenn Achilles jenen Punkt erreicht hat, an dem die Schildkröte zuletzt war, die Schildkröte jeweils wieder ein Stück weiter ist, so dass Achilles im Laufe des Wettkampfes der Schildkröte zwar sehr näher kommen wird, sie aber niemals vollständig erreichen und somit auch niemals überholen kann.

Dass die Behauptung falsch ist, spielt für Borges keine Rolle ihn interessiert die Raum-Zeit Dimension, die aus in der Aporie aus den Angeln gehoben wird. Vor allem in den Erzählungen des Bandes „Ficciones“ ist das Paradox und der damit verbundene Prozess des regressus in infinitum (Rückgang ins Unendliche), narratives Mittel zur Erzeugung der Neophantastik. So versinkt in der Erzählung die „Die kreisförmigen Ruinen“ ein Magier in einen Traum, in dem er schließlich erkennt, dass er selbst nur Produkt eines anderen Träumers ist. In „Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“ berichtet Borges selbst über einen von einer Geheimgesellschaft geschaffenen Planeten oder entwirft wie in „Die Bibliothek von Babel“ eine allumfassende Bibliothek, die sich aus allen denkbaren Texten, die aus den Sprachzeichen des Alphabets überhaupt gebildet werden können, zusammensetzt.

Mit paradoxen Gedankengängen und Folgerungen in Verbindung mit Zirkelstrukturen, Spiegel- und Labyrinth Metaphern sowie Textverschachtelungen, schafft Borges ein phantastisch-irrationales Spiel mit der Sprache und Weltentwürfe, die nicht nach den herkömmlichen Regeln der Vernunft funktionieren.

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22. August 2008

„Die verlorenen Spuren“ von Alejo Carpentier

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 13:16

Um die Suche nach der eigenen Bestimmung handelt Alejo Carpentiers Roman „Los pasos perdidos“ (Die verlorenen Spuren) aus dem Jahre 1953. Im Spannungsfeld von abendländischer Zivilisation und indigener-primitiver Kultur versucht sich der namenlose Ich-Erzähler, Komponist und Musikwissenschaftler selbst zu verorten.

Zu beginn des Buches berichtet der Protagonist, ein aus Spanien stammender, inzwischen in den USA lebender Musikwissenschaftler und Komponist über seine unbefriedigende Arbeit als für Film- und Werbemusiker und der in Routine erstarrten Ehe zu seiner Frau Ruth, einer alternden Schauspielerin. Nur die gelegentlichen Seitensprünge zur extrovertierten Mouche, lassen ihn aus seinem Trott entfliehen.

Die verlorenen Spuren
© Suhrkamp Verlag

Reiseberichte

Als seine Frau zu einem länger andauernden Engagement auswärts gerufen wird, erhält der Erzähler von seinem ehemaligen Lehrer den Auftrag mit einer Expedition seltene indianische Musikinstrumente der Ureinwohner ausfindig zu machen. Die Reise, bei der ihn Mouche und der Botaniker Dr. Montsalvatje begleiten, führt in die Einsamkeit des südamerikanischen Dschungels. Dort lernt der Protagonist Rosario kennen, die das Gegenstück zur Affektiertheit und Oberflächlichkeit Mouches bildet. Als diese auch noch seine Geliebte wird, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Mouche, die von einer Krankheit heimgesucht, die Expedition abbricht. Der weitere Verlauf der Reise gestaltet sich für den Protagonisten zur mythischen Suche, die nicht nur in der Entdeckung der Instrumente sondern auch einer Stadt, deren Bewohner ohne Kontakt zur Zivilisation und nach archaischen Gesetzen leben. Hier schafft es der Erzähler sich zeitweilig selbst zu befreien und fühlt sich an der Seite von Rosario wie im irdischen Paradies. Doch die Flucht aus der Zivilisation endet abrupt, als ein Suchtrupp den Verschollenen findet und zurück in die USA befördert. Eine mediale Hetzkampagne, von seiner eifersüchtigen Frau initiiert, schlägt ihm bereits während des Fluges nach Hause, entgegen. Seine Frau will mit allen Mitteln versuchen die Scheidung der Ehe zu verzögern, um so die Rückkehr ihres Mannes in den Dschungel, wo Rosario zurückblieb, zu verhindern. Doch auch als ihm die Flucht zurück in den Dschungel gelingt, kann er nicht mehr dort anknüpfen, wo er aufgehört hat.

„Die verlorenen Spuren“ verquickt eine Vielzahl an Motiven und Themen. Musikalische Referenzen, biblische Anspielungen und Mythen der klassischen Antike, sowie Referenzen auf die Gralssuche und Tafelrunde, stehen mit den Dschungelpassagen und den „primitiven“ Kulturen, wie dem indianischen Epos „Popol Vuh“ in Beziehung, die sowohl inhaltlich als auch formal die Spannung zwischen Zivilisation und Natur zum Ausdruck bringt.

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17. August 2008

Die lateinamerikanische „Boom“-Literatur

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 13:48

In Europa wirklich zur Kenntnis genommen, wird die lateinamerikanische Literatur eigentlich erst Ende der vierziger Jahre. Eng verbunden mit den Schlagworten „realismos mágico“ (Magischer Realismus) und „nueva novel“ (Neuer Roman), wird diese Zeit - gerne als „Boom“ bezeichnet- vor allem von großartigen Werken der hispanoamerikanischen Erzählliteratur geprägt.

1949 erscheinen zwei Romane, die diesen neuen literarischen Weg in Südamerika kennzeichnen. „Hombre de maiz“ (Maismenschen) des Guatemalteken Miguel Angel Asturias und „El reino de este mundo“ (Das Reich von dieser Welt) des Kubaners Alejo Carpentier. Beide hatten sich in den zwanziger und dreißiger Jahren in Paris aufgehalten und sind dort mehr oder weniger mit den Surrealisten in Kontakt gekommen. In Verbindung mit dem Interesse für andere Lebens- und Denkformen, wie sie die Indios repräsentieren, entstehen erstmals Texte, die aus der Perspektive der Ureinwohner erzählen. Der „Maismensch“ ist im Aufbau fast dem Heiligen Bücher der Mayas identisch, während Carpentier im Vorwort zu „Das Reich von dieser Welt“ die Theorie vom real maravilloso americano (das Wunderbar-Wirkliche Amerikas) in Abwandlung des surrealistischen Begriffs merveilleux quotidien (das Alltäglich-Wunderbaren) entwirft. Magie, Kultisches und Wunderglaube bestimmen die indianischen und afroamerikanischen Völker und verschaffen den Schriftstellern neue Motive und Perspektiven, die anscheinend auch in Europa eine willkommene Lektüre darstellen.
Auch der wohl bekannteste und erfolgreichste Roman der „Boom“-Literatur, „Cien años de soledad“ (Hundert Jahre Einsamkeit) von Gabriel García Márquez spielt mit magisch-indigene Elementen, verschiedensten Zeit- und Wirklichkeitsebenen, der einen entscheidenden Beitrag zur literarischen Richtung des „Magischer Realismus“ beitrug und den Kolumbianer schlagartig weltberühmt machte.

Weitere wichtige Vertreter des Booms sind der Peruaner Mario Vargas Llosa mit dem erzähltechnisch anspruchsvollen Roman „La casa verde“ (Das grüne Haus), der Mexikaner Carlos Fuentes kombiniert in seinem Roman „Cambio de piel“ rational-realistische Beschreibungen und magisch-phantastische Elemente, ebenso wie der Argentinier Ernesto Sabato in dem monumentalen Roman „Sobre héroes y tumbas“ (Über Helden und Gräber).

Aber auch in Romanen, die den Versuch untenehmen die politischen Verhältnisse in Südamerika zu verarbeiten, wie der lateinamerikanische Diktatorenroman, tritt die magisch-indigene Perspektive in den Vordergrund. Neben „El Señore Presidente“ (1946) von Asturias, gehören García Márquez’ „El otoño del patriarca“ (Der Herbst des Patriarchen, 1975), Carpentiers „El recurso del método“ (Staatsraison, 1974) und „Yo el supremo“ (Ich, der Allmächtige, 1974) des Paraguayaners Augustos Roa Bastos zu den bedeutendsten Diktatorenromanen, die während der Zeit des Boom entstanden sind.

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3. August 2008

Antonio José Ponte: „Der Ruinenwächter von Havanna“

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Nic Knatterton @ 16:36

In Deutschland noch recht unbekannt, sorgt Antonio José Ponte in seinem Heimatland Kuba für Aufsehen. Der 1964 geborene Schriftsteller, der zahlreiche Gedicht und Essays publizierte, wurde dort mit einer Literaturprofessur und Preisen geehrt, bis er 2003 aus dem kubanischen Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde. Hintergrund war seine Mitarbeit an einer kubanischen Exilzeitschrift in Madrid.

Mit „Der Ruinenwächter von Havanna“ erscheint erstmals eine Publikation in deutscher Sprache, in der sich Ponte auf eine literarischen Streifzug durch Havannas Altstadt auf den Spuren Graham Green, Jean Paul Sartre und Ry Cooder begibt. In vier langen Kapiteln umkreist Ponte mal essayistisch, mal autobiographisch, dann wieder erzählend oder referierend die Geschichte Havannas, wobei die Ruine als Metapher für den kulturellen und politischen Zustand Kubas dient. In „Der Ruinenwächter von Havanna“ bleibt nichts mehr von der gerne heraufbeschworenen Kuba-Romantik übrig, sondern wirft einen Blick hinter die Kulissen und enthüllt eine nicht ganz unpersönliche Sicht auf die kubanischen Verhältnisse.

Antonio José Ponte: Der Ruinenwächter von Havanna
Aus dem kubanischen Spanisch von Sabine Giersberg
Antje Kunstmann Verlag, München 2008, 234 Seiten

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29. Juli 2008

Gabriel García Márquez: Journalistische Arbeiten

Kategorie: Literatur, südamerikanische Literatur — Dr. Marcuse @ 10:50

Romane wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ haben ihn weltberühmt gemacht. Die Rede ist von dem Kolumbianer Gabriel García Márquez. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sich Márquez auch journalistisch betätigt. Diese Arbeiten sind nun im fünften Band von „Dornröschens Flugzeug“ (Kiepenheuer & Witsch) nachzulesen. Texte zum aktuellen Zeitgeschehen, Alltagsthemen und Reiseerlebnisse sind hier versammelt und beeindrucken durch die literarische Qualität.

In der Titel gebenden Geschichte “Dornröschens Flugzeug” berichtet der an Flugangst leidende Márquez von einer schlafenden Schönen auf dem Nebensitz, die dem Leser in dem Roman “Erinnerung an meine traurigen Huren” wieder begegnen. Wie die Romane auch, sind die journalistischen Arbeiten von jener Mischung aus Realität und Fiktion durchdrungen, mit der er zum Grand Senieur des „Magischen Realismus“ wurde.

In den Reportagen, Glossen und Kommentaren, die im Verlauf von mehr als zwanzig Jahren, zwischen 1961-1984 entstanden sind, gibt Gabriel García Márquez ein facettenreiches und unterhaltsames Bild seiner Welt.

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