21. Dezember 2010

Thilo Sarrazin

Kategorie: Literatur, Persönlichkeiten — Nic Knatterton @ 18:13

Von den Einen gefeiert und von den Anderen verschrien, ist Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor allem eines: umstritten. Sarrazin spaltet mit seinem Sachbuch die Lager und sorgt für jede Menge Gesprächs- und Diskussionsstoff. Jedoch schafft er damit auch Fremdenfeindlichkeit und verhärtet die gesellschaftlichen Fronten.

Die Erstauflage, die 25.000 Exemplare umfasste, war rasend schnell ausverkauft und „Deutschland schafft sich ab“ mischt trotz allem – oder vielleicht auch gerade deshalb - noch immer ganz oben auf den anerkannten Bestsellerlisten mit. Der ehemalige Berliner Senator, der mittlerweile nur noch mit Personenschutz das Haus verlassen kann, steht jedenfalls nach wie vor zu seinen gewagten und doch mutigen Worten.

Eigentlich will Thilo Sarrazin mit seiner 464 Seiten umfassenden Gesellschaftskritik nach eigenen Aussagen nur zeigen, „wie wir unser Land aufs Spiel setzen.“ Im Mittelpunkt seines Werkes stehen dabei teilweise angebliche und streckenweise sicherlich auch offensichtliche Problematiken wie der Geburtenrückgang in Deutschland, die steigenden Arbeitslosenzahlen und sinkenden Löhne, der Anwachs der Unterschicht und nicht zuletzt auch die laut Sarrazin „mangelhafte Migrationsbereitschaft“ und die „problematische Zuwanderungsrate“. Doch natürlich kritisiert der ehemalige Bundesbanker und Autor nicht nur unverblümt, er versucht auch Anhaltspunkte und Anstöße zu geben, wie man angeprangerte Problematiken aus der Welt schaffen könnte. Damit tritt er aber auch nicht selten in das eine oder andere Fettnäpfchen.

Der größte Konfliktpunkt an Sarrazins Buch ist dabei nicht einmal, dass der ehrliche Autor in vielen Dingen schlichtweg Unrecht hätte. Selbst Hasser und Kritiker müssen wenigstens an der einen oder anderen Stelle zugeben, dass viele Dinge der bitteren Wahrheit entsprechen. Vielmehr sorgt seine oft etwas schroffe Art und Weise diese anzuprangern dafür, dass die Lektüre selbst Fans und Befürworter wohl ab und an bitter aufstoßen lassen dürfte. Ein besonderes Beispiel hierfür sind die im Buch eher wenig positiv behandelten Themen wie die Zuwanderungsrate und die Immigration in Deutschland. Hier bekommen oft nicht nur die Politik und die Wirtschaft etwas ab, sondern auch einzelne Privatpersonen, die sich angesprochen gefühlt könnten.

Sarrazins Buch ist schwer in Worte zu fassen, wühlt aber eindeutig auf und dürfte die meisten Leser wenigstens nachdenklich zurücklassen – ob man nun mit dem Autor übereinstimmt oder nicht. Das kommt eindeutig auf den Leser selber an und lässt sich nicht pauschalisieren. Jedoch kann man übergreifend sagen, dass Sarrazins Zeilen nicht vollkommen undurchdacht, absolut unbegründet und undifferenziert daherkommen. „Deutschland schafft sich ab“ ist sicherlich einen Blick ins Buchinnere wert – und sei es nur darum, dass man sich eine eigene Meinung bilden kann.

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26. Dezember 2008

Harold Pinter ist tot

Kategorie: Persönlichkeiten — Nic Knatterton @ 13:58

Er war neben Samuel Beckett der Meister des Absurden Theaters. Harold Pinter, 2005 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, ist nun im Alter von 78 seiner Krankheit erlegen. Seine große Zeit hatte der Brite Ende der 50er und in den 60ern. Mit dem Einakter „Das Zimmer“ und „Die Geburtstagsfeier“ präsentierte der Dramatiker seine zentralen Themen, wie Kommunikationsverlust, Beklemmung und Sinnlosigkeit. Der große Durchbruch kam 1960 mit dem Dreipersonenstück „Der Hausmeister“, in dem ein Landstreicher versucht, zwei ungleiche Brüder gegeneinander auszuspielen, die sich schließlich gegen ihn verbünden. Es folgten drei Jahrzehnte, in denen er 29 Bühnenstücke und 24 Drehbücher verfasst hat.

Pinter wuchs im proletarischen Londoner East End als Sohn eines jüdischen Schneiders auf. Sein Weg von den Schauspieler-Lehrjahren in einer Wandertruppe bis zum erfolgreichen Autor mit Society-Gattin in zweiter Ehe machte ihn zu einer der schillernden Figuren seiner Autorengeneration. Aber trotz der großen Erfolge ist Pinter immer am Boden geblieben, im Gegenteil, er wandelte er sich im fortgeschrittenen Alter zum politisch engagierten Kritiker. 1985 reiste er mit dem amerikanischen Dramatiker Arthur Miller in die Türkei und führte Gespräche mit verfolgten Autoren und protestierte gegen die Nato-Bombardierung Serbiens. Die Sammlung von Anti-Kriegsgedichten mit dem Titel „War“ entstand 2003 als Reaktion auf den Irak-Krieg. In aller Öffentlichkeit nannte Pinter George Bush und den früheren britischen Premierminister Tony Blair als Kriegsverbrecher. Ruhe in Frieden Harold.

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16. November 2008

Peter W. Jansen ist tot

Kategorie: Persönlichkeiten — Nic Knatterton @ 11:15

Filme waren sein Metier und vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, zur großen Zeit des deutschen Autorenfilms war Peter W. Jansen, eine der wichtigen Stimmen der deutschen Filmkritik. In der Zeitschrift „Filmkritik“, der von Enno Patalas 1957 gegründeten und bis 1984 erscheinenden legendären Zeitschrift, zu deren Autorenkreis auch Ulrich Gregor, Frieda Grafe, Dietrich Kuhlbrodt, Theodor Kotulla und Hartmut Bitomsky gehörten, machte er als Filmkenner auf sich aufmerksam. Der studierte Germanist und Historiker arbeitete unter anderem auch für das ZDF-Kulturmagazin „Aspekte“, sowie als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen, zudem war er Mitherausgeber der „Reihe Film“ im Hanser Verlag.

1966 ging der Jansen dann zum Südwestfunk, dem er über dreißig Jahre treu bleib. Legendär ist die „Reihe Film“, die Jansen mit einem der anderen Großen der Filmkritik, Wolfram Schütte, von 1974 bis 1982 herausgab. Auf 50 CDs hat er 100 „Meisterwerke der Kinogeschichte“ (von David W. Griffith bis zu Jim Jarmusch und Woody Allen) besprochen und analysiert. Nun ist Jansen, wenige Tage nach seinem 78. Geburtstag, in seinem Heimatort Gernsbach bei Baden-Baden gestorben.

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18. August 2008

Ein cineastisches Urgestein wird 75

Kategorie: Persönlichkeiten — Nic Knatterton @ 10:53

Bekannt wurde er durch den Kultfilm „Tanz der Vampire“, den Horrorstreifen „Rosemary’s Baby“ und den Detektiv-Thriller „China-Town“. Für die Verfilmung der Autobiografie von Wladyslaw Szpilman in „Der Pianist“ erhielt er die „Goldenen Palme“ und 2003 den Oscar. Die Rede ist natürlich von Roman Polanski, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.

Die Kinder- und Jugendjahre des 1933 als Sohn eines polnischen Juden und einer russischen Immigrantin in Paris Geborenen, waren allerdings alles andere als unbeschwert. Als Polanski drei Jahre alt war, musste die Familie angesichts des aufkeimenden Antisemitismus nach Krakau übersiedeln. Doch 1940 mit dem Einmarsch der Nazis war auch hier keine Sicherheit mehr geboten. Polanski konnte mit der Hilfe seines Vaters aus dem jüdischen Ghetto fliehen und fand Unterschlupf auf dem Land bei Kleinbauern, die Mutter wurde in Auschwitz ermordet. Aber sein Leiden sollte noch nicht vorbei sein. Als 16-jähriger fiel er einem Vergewaltiger in die Hände und entkam nur knapp mit dem Leben. Der Höhepunkt der traumatischen Erlebnisse folgte schließlich 1968, als seine im achten Monat schwangere Frau Sharon Tate von Anhängern der Manson-Sekte bestialisch getötet wurde. Dementsprechend blutig gestaltet sich seine „Macbeth“-Verfilmung aus dem Jahr 1971 um im völligen Wahnsinn zu gipfeln. Ein Meilenstein war auch sein 1974 für mehrere Oscars nominiertes Werk „China-Town“, ein brutaler Detektivthriller in bester Film noir-Tradition.

Bereits in seiner Jugendzeit interessierte sich Polanski fürs Kino und zählt vor allem Laurence Oliviers „Hamlet“ und Carol Reeds „Ausgestoßen“ zu den Filmen die ihn damals beeinflussten. Nach seiner Ausbildung an der Filmhochschule in Lodz präsentierte Polanski 1962 in Polen mit „Das Messer im Wasser“ seine erste Regiearbeit an einem Langfilm. Danach arbeitet er in England und später sogar in Hollywood, wo der Kulthorrorfilm „Rosemary’s Baby“ entstand. Von dort musste er allerdings 1978 nach Paris flüchten, um einer langjährigen Haftstrafe zu entkommen. Polanski soll 1977 im Haus von Jack Nicholson eine 13-Jährige vergewaltigt haben. Danach gönnte sich der Regisseur erst mal eine kleine Schaffenspause, um rund zehn Jahre später wieder Filmgeschichte zu schreiben. 1988 konnte er Harrison Ford für die Hauptrolle in dem Thriller „Frantic“ gewinnen und auch das düstere Kammerspiel „Der Tod und das Mädchen“ ist mit Sigourney Weaver und Ben Kingsley ebenfalls brillant besetzt. Seine bislang letzte Regiearbeit war 2005 „Oliver Twist“ nach dem gleichnamigen Roman von Charles Dickens, aber 2009 kommt voraussichtlich der Thriller „Ghost“, mit Nicholas Cage und Pierce Brosnan in die Kinos.

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4. August 2008

Literaturnobelpreisträger Solschenizyn ist tot

Kategorie: Persönlichkeiten — Dr. Marcuse @ 16:50

Er war das Gewissen Russlands: Alexander Solschenizyn. Nun ist der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger im Alter von 89 Jahren in Moskau gestorben. Weltweite Bekanntheit erlangte Solschenizyn mit dem monumentalen, dreibändigen Dokumentarroman „Archipel GULag“, in dem er Stalins Opfern ein literarisches Denkmal setzte. Er selbst musste die schrecklichen Bedingungen im Straflager erleben, als er Ende 1945 wegen Kritik an Stalin inhaftiert wurde und erst 1953 wieder frei kam. Als „Versuch einer künstlerischen Bewältigung“ der Vorgänge im Strafvollzug der Sowjetunion von 1918 bis 1956 verstand Solschenizyn sein historiographisches Werk, an dem er ein Jahrhundert arbeitete. Das Ergebnis ist eine formenreiche Komposition aus geographisch-chronikalischer Dokumentation, Augenzeugenberichten, Eigenerlebnissen und Psychogrammen von Opfern und Peinigern.

Nach Erscheinen des Mammutwerkes wurde Solschenizyn 1974 aus Russland ausgewiesen und fand zunächst Zuflucht bei seinem deutschen Schriftstellerkollegen Heinrich Böll. Es folgte ein zwanzigjähriges Exil, das er hauptsächlich in den USA verbrachte. Dort schuf er sein groß angelegtes Projekt über die russische Geschichte des 20. Jahrhunderts, den Romanzyklus „Das rote Rad“. In ausgewählten „Knoten“, wie er es nennt, versucht er - angefangen mit den Schlachten des Ersten Weltkriegs - den Weg Russlands in den revolutionären Abgrund zu rekonstruieren und geschichtsphilosophisch zu deuten.

solschenizyn
Foto: AP

Erst 1990 wurde der Schriftsteller rehabilitiert, vier Jahre später kehrte er in seine Heimat zurück und prangerte wiederholt die kapitalistische Entwicklung Russlands an. In Putin sah Solschenizyn die richtige Figur, die Wiederherstellung eines starken Staates zu bewerkstelligen und auch die Tschetschenien Politik fand seine Anerkennung.

Obwohl Solschenizyn in den letzten Jahren noch einige Erzählungen und autobiographische Schriften über sein Leben im Exil veröffentlichte, ist sein Lebenswerk schon im vorigen Jahrhundert zum Abschluss gekommen.

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2. Juli 2008

Hans Caninenberg gestorben

Kategorie: Persönlichkeiten — Nic Knatterton @ 16:15

Der Schauspieler Hans Caninenberg ist am vergangenen Sonntag im Alter von 95 Jahren in Gräfelfing bei München gestorben. Der gebürtige Duisburger hat die deutsche Theatergeschichte maßgeblich beeinflusst, auch wenn er im Alter nur noch selten auf der Bühne zu sehen war. Seine großen Erfolge vom Prinzen von Homburg über Mephisto bis zu Robespierre in „Dantons Tod“ blieben in Kritikerkreisen unvergessen. Er spielte an zahlreichen namhaften Bühnen, darunter für das Württembergische Staatstheater in Stuttgart, die Münchner Kammerspiele, das Düsseldorfer Schauspielhaus und das Münchner Residenztheater.

Auch im Fernsehen war der Sohn eines Lehrers viele Jahre eine feste Größe. Ob in Serien wie „Mit Herz und Schnauze“ oder als bärbeißiger Wasserflugzeugpilot Hans Ritter in „Küstenpiloten“, immer gelang es Caninenberg, sein Rhetoriktalent und Schauspielerkunst auch vor der Kamera sichtbar zu machen.
Im Alter widmete sich Caninenberg der Schriftstellerei und veröffentlichte unter anderem Essays und Theaterstücke. 1988 veröffentlichte er den Roman „Ein unvergessener Traum“ mit deutlich autobiografischen Zügen.

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