1. Juli 2008

„Control“ – Biopic über Ian Curtis

Kategorie: Biopics, Kino — Nic Knatterton @ 13:44

Biopics sind ja so eine ganz eigenen Sache, entweder sind sie super langweilig oder verherrlichen den Protagonisten bis an die Grenzen des Unerträglichen. Der Film „Control“ über Ian Curtis, dem Sänger der britischen Post-Punk-Band Joy Division stellt da eine willkommene Ausnahme dar.

Der Fotograf Anton Corbijn zeigt in seinem Filmdebüt, dass er auch was von bewegten Bildern versteht. Ausgerechnet die Musik von Joy Division veranlasste den Niederländer 1979 seine Heimat zu verlassen und sich der Fotografie zu widmen. So war es damals auch die junge englische Wave Band, die als erstes vor seiner Linse landete. Mit Aufnahmen von Nirvana oder U2 ist Corbijn längst in die erste Liga der Rockfotografen aufgestiegen. Knapp drei Jahrzehnte später hat er, basierend auf dem Buch „Touching from a Distance“ von Ian Curtis’ Witwe Deborah, das kurze Leben des Sängers verfilmt, das dem Titel der Vorlage verpflichtet scheint. In kühler Schwarz-Weiß Ästhetik zeichnet der Film die letzten Jahre des genialen Künstlers nach, die von innerer Zerrissenheit und der immer stärker zum Vorscheintretenden Epilepsie geprägt sind.

 
Sam Riley als Ian Curtis

Newcomer Sam Riley spielt Ian Curtis und zeigt, dass er ein ganz Großer ist. Nicht nur die eigenwillige und unverkennbare Bühnenpräsenz des Frontman bringt Riley absolut authentisch rüber, auch der düstere und schwere Gesang, zum Großteil selbst intoniert, ist kaum vom Original zu unterscheiden.

Der Film beginnt 1973, als Ian, glühender Fan von David Bowie und Iggy Pop, die nette Debbie kennen lernt. Die beiden verlieben sich und heiraten kurze Zeit später trotz ihres jungen Alters. Ian, der bei einer Arbeitsvermittlung sein Geld verdient muss sich bald zwischen Job und Musik entscheiden, als er Ende der 70er die Möglichkeit hat bei der neuen Band Joy Division mitzumachen. Seine künstlerischen Ambitionen und die familiären Verpflichtungen, die mit der Geburt der Tochter noch größer werden, lassen sich nur noch schwer vereinbaren und zu allem Überfluss diagnostiziert man auch noch Epilepsie bei ihm. Alkoholexzesse, Medikamente und Bühnenstress tragen nicht gerade zur Beruhigung seiner körperlichen Lage bei. Als Ian nach einem Konzert die belgische Journalistin Annik Honoré (Alexandra Maria Lara) kennen lernt und mit ihr eine Affäre beginnt, sieht seine gequälte Seele keinen Ausweg mehr. In der Nacht vor dem Start der USA-Tour erhängt sich der erst 23-jährige in seiner Küche. So traurig und tragisch das Ende, Ian Curtis hat seiner Nachwelt zwei Studio- und drei Livealben mit zeitlosen und genialen Songs wie „Warsaw“, „She’s lost control again“ und natürlich „Love will tear us apart“ hinterlassen.

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4 Kommentare »

  1. Wer ist Sam Riley und wer ist Ian Curtis?

    Kommentar von corinnchen88 — 11. November 2008 @ 19:11

  2. Ich habe mal eine Fotoausstellung von Corbijn im Groninger Museum gesehen - wahnsinnig ausdrucksstarke Bilder! Die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Regisseursdebüt!!

    Kommentar von bildersammler — 23. April 2009 @ 19:39

  3. Warsaw ist ein Wahnsinns-Song. Da werden nostalgische Gefühle wach ;-)

    Kommentar von aldente — 27. April 2009 @ 19:31

  4. Dem kann ich mich nur anschließen.. weckt Erinnerungen.

    Kommentar von Matze — 22. August 2009 @ 12:41

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