Eine ganz herausragende Stellung in der modernen Südamerikanischen Literatur nimmt Jorge Luis Borges ein. 1899 in Argentinien, Buenos Aires als Sohn eines Anwalts und Psychologiedozenten geboren, verbringt er eine weitgehend unbeschwerte Kindheit. Dank der britischen Wurzeln seines Vaters wächst er zweisprachig auf. Mit der Übersiedlung 1914 nach Genf und dem Besuch des dortigen Gymnasiums lernte er zudem Latein, Französisch und Deutsch. Sein Interesse für Literatur tritt bereits früh zum Vorschein, so dass Borges seine Freizeit in der internationalen Bibliothek seines Vaters verbringt. Vor allem die Philosophie und Metaphysik haben es ihm angetan, aber auch die Bibel, die Kabbala und der Koran gehören zu seiner Lektüre, ebenso wie Cervantes, Kafka und Shakespeare.
1921 kehrt Borges nach Buenos Aires zurück, wo er Beiträge in zahlreichen Literaturzeitschriften veröffentlicht und die Wandzeitung “Prisma” ins Leben ruft. Die Lyrik dieser Zeit bringt das Interesse des Dichters an der Geschichte Argentiniens und seine Liebe zu Buenos Aires zum Ausdruck. 1930 lernte Borges den Autor Adolfo Bioy Casares kennen, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit verband. Überschattet ist sein Leben von der vorschreitenden Netzhautabnutzung, die ihn immer schlechter sehen lässt und in Blindheit gipfeln wird.
Erst als der Vater 1938 stirbt, muss Borges sich erstmals in seinem Leben Gedanken um seinen Lebensunterhalt machen. Die Beiträge und Essays werfen zu wenig ab, so dass er mit fast vierzig als Hilfskraft in einer zweitklassigen Bibliothek anheuert. Da ihm die Arbeit nicht über den Kopf wächst, nutzt er die Zeit sein enormes Bücherwissen zu verarbeiten und beginnt, seine mittlerweile weltberühmten Erzählungen zu verfassen. Fast 3000 Jahrhunderte abendländische Geistesgeschichte und Weltkultur verarbeitet Borges in seinen Erzählungen unterschiedlichster Genres, die aller eine Gemeinsamkeit haben: sie sind Referenz und Zitat auf Fremd- und Eigentexte. Paradebeispiel hierfür ist zweifelsohne die Erzählung Ttlön, Uqubar, Orbis Tertius.
Mitte der 50er Jahre, fast schon vollständig erblindet, wird er zum Direktor der argentinischen Nationalbibliothek in Buenos Aires ernannt und lehrt nebenbei englische Literaturwissenschaft an der Universität. Internationale Berühmtheit erlangt Borges als er 1961 zusammen mit Samuel Beckett den Prix Formentor bekommt. Mit der Liebe klappt es erst 1986, als er kurz vor seinem Tod seine Assistentin María Kodama heiratet. Hinterlassen hat uns der blinde Bibliothekar eine Vielzahl an Essays, Gedichten und Erzählungen, ohne die die Literatur der Postmoderne kaum denkbar wäre.












geil ein blinder bibliothekar.
Kommentar von blax — 22. Juli 2008 @ 18:40