Er war das Gewissen Russlands: Alexander Solschenizyn. Nun ist der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger im Alter von 89 Jahren in Moskau gestorben. Weltweite Bekanntheit erlangte Solschenizyn mit dem monumentalen, dreibändigen Dokumentarroman „Archipel GULag“, in dem er Stalins Opfern ein literarisches Denkmal setzte. Er selbst musste die schrecklichen Bedingungen im Straflager erleben, als er Ende 1945 wegen Kritik an Stalin inhaftiert wurde und erst 1953 wieder frei kam. Als „Versuch einer künstlerischen Bewältigung“ der Vorgänge im Strafvollzug der Sowjetunion von 1918 bis 1956 verstand Solschenizyn sein historiographisches Werk, an dem er ein Jahrhundert arbeitete. Das Ergebnis ist eine formenreiche Komposition aus geographisch-chronikalischer Dokumentation, Augenzeugenberichten, Eigenerlebnissen und Psychogrammen von Opfern und Peinigern.
Nach Erscheinen des Mammutwerkes wurde Solschenizyn 1974 aus Russland ausgewiesen und fand zunächst Zuflucht bei seinem deutschen Schriftstellerkollegen Heinrich Böll. Es folgte ein zwanzigjähriges Exil, das er hauptsächlich in den USA verbrachte. Dort schuf er sein groß angelegtes Projekt über die russische Geschichte des 20. Jahrhunderts, den Romanzyklus „Das rote Rad“. In ausgewählten „Knoten“, wie er es nennt, versucht er - angefangen mit den Schlachten des Ersten Weltkriegs - den Weg Russlands in den revolutionären Abgrund zu rekonstruieren und geschichtsphilosophisch zu deuten.
Erst 1990 wurde der Schriftsteller rehabilitiert, vier Jahre später kehrte er in seine Heimat zurück und prangerte wiederholt die kapitalistische Entwicklung Russlands an. In Putin sah Solschenizyn die richtige Figur, die Wiederherstellung eines starken Staates zu bewerkstelligen und auch die Tschetschenien Politik fand seine Anerkennung.
Obwohl Solschenizyn in den letzten Jahren noch einige Erzählungen und autobiographische Schriften über sein Leben im Exil veröffentlichte, ist sein Lebenswerk schon im vorigen Jahrhundert zum Abschluss gekommen.
