Mit dem Thema Spiritualität in der Kunst beschäftigt sich die Ausstellung „Auf den Spuren des Geistigen“ in Münchner Haus der Kunst. Die Exposition vereint 200 Werke des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, die das kontinuierliche künstlerische Interesse am Geistigen, an der menschlichen Erkenntnis und Empfindungsstruktur bezeugen. In 16 Kapiteln werden Themen verschiedener Epochen aufgefächert: Götterdämmerung; Synkretismus; Jenseits des Sichtbaren; Kosmische Offenbarungen; Absolutum; Homo novus; afrikanische Masken, Ritual, Trance; Ekstase; Profanierung; Homo homini lupus; Sakralkunst; Göttliche Ornamentik; Mythen und Schamanen; Doors of Perception; Zen; Epilog. Präsentiert werden Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Videos von 120 Künstlern, darunter Joseph Beuys, Maurizio Cattelan, Paul Chan, Giorgio de Chirico, Marcel Duchamp, Caspar David Friedrich, Francisco de Goya, Damien Hirst, Ferdinand Hodler, Huang Yong Ping, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Martin Kippenberger, Paul Klee, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian, Edvard Munch, Bruce Nauman, Hermann Nitsch, Patti Smith und Paul Thek.
Der Beginn des 20. Jahrhunderts stand unter dem Eindruck einer Glaubenserschütterung. Nietzsches Aussage „Gott ist tot” (1881/1882) und die Behauptung Max Webers von der “Entzauberung der Welt” (1904) zeigen, wie stark sich das Verhältnis des Menschen zur Religion verändert hatte. Doch bedeutete dies nicht das Ende der Metaphysik in der Kunst; vielmehr sind von Wassily Kandinsky bis Francis Bacon, von Joseph Beuys bis Damien Hirst metaphysische Fragen von gleich bleibend hoher Bedeutung.
Francisco de Goyas Radierungszyklus Die Schrecken des Krieges (um 1819-1823) entstand unter dem Eindruck der Gräueltaten, die während der französischen Revolution verübt wurden. In der Radierung „Nada. Ello dirá“ hält ein Kadaver die Botschaft in der Hand, die er aus dem Jenseits sendet: Da ist nichts nada. Gott hat sich in diesen Werken unendlich weit zurückgezogen. Wenige Jahre später kreist Caspar David Friedrich mit Gemälden wie „Ruinen in der Abenddämmerung“ (um 1831) bereits um die Frage, wie das Geistige wieder zu finden sei, ohne auf eine biblische Vorstellungswelt zurückzugreifen. Wie auch andere Künstler der Romantik, sieht er die Antwort in einer von kosmischer Kraft aufgeladenen Natur. Die Ausstellung ist noch bis 11. Januar zu sehen.