17. Juli 2008

Dylan mal sechs!

Kategorie: Biopics, Kino — Nic Knatterton @ 11:03

 

Mit „I’m not there“ hat der New Yorker Filmemacher Todd Haynes niemand geringerem als Bob Dylan ein filmisches Denkmal gesetzt und das sogar mit dem Einverständnis des Ausnahmemusikers. Herausgekommen ist nach fünf Jahren Arbeit eine höchst eigenwillige und subjektive Annäherung an die Vita Dylan.

 

Filmplakat \

 

Gleich sechs Schauspieler verkörpern den Musiker in den verschiedenen Lebensabschnitten, was die Unfassbarkeit und der Vielschichtigkeit der Figur adäquat zum Ausdruck bringt. Zudem fordert Hayens den Zuschauer mit permanenten Zeitbrüchen, Rückblenden und vor allem viel Fiktion. Jedes Ich des Künstlers wird in einem anderen Ambiente zitiert. In dokumentarisch inszenierten Szenen tritt Christian Bale als der junge Dylan auf, Richard Gere wird in Anspielung auf Dylans Arbeit in Pat Garrett & Billy the Kid in den Wilden Westen verpflanzt, während Cate Blanchet in Dylans Drogen und Delirium Phase nur in Schwarz-Weiß zu sehen ist. Angereichert mit zahlreichen Original und Cover Songs des Meisters, präsentiert Haynes uns das multidimensionale Portrait einer Persönlichkeit, die sich jeder Festlegung und Eindeutigkeit verweigert und damit nur umso interessanter wird.

 

Auch wenn sich die Musikgeschmäcker an Bob Dylan scheiden, allein die enorme Komplexität und die spielerische Struktur aus Collage, Pseudo-Dokumentation, naturalistisches Drama, selbstreflexiver Film-im-Film oder überzogener Parodie mit der „I’m not there“ aufwartet, sind ein postmoderner Kinogenuss. Gibt’s bald auf DVD.