Von den Einen gefeiert und von den Anderen verschrien, ist Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor allem eines: umstritten. Sarrazin spaltet mit seinem Sachbuch die Lager und sorgt für jede Menge Gesprächs- und Diskussionsstoff. Jedoch schafft er damit auch Fremdenfeindlichkeit und verhärtet die gesellschaftlichen Fronten.
Die Erstauflage, die 25.000 Exemplare umfasste, war rasend schnell ausverkauft und „Deutschland schafft sich ab“ mischt trotz allem – oder vielleicht auch gerade deshalb - noch immer ganz oben auf den anerkannten Bestsellerlisten mit. Der ehemalige Berliner Senator, der mittlerweile nur noch mit Personenschutz das Haus verlassen kann, steht jedenfalls nach wie vor zu seinen gewagten und doch mutigen Worten.
Eigentlich will Thilo Sarrazin mit seiner 464 Seiten umfassenden Gesellschaftskritik nach eigenen Aussagen nur zeigen, „wie wir unser Land aufs Spiel setzen.“ Im Mittelpunkt seines Werkes stehen dabei teilweise angebliche und streckenweise sicherlich auch offensichtliche Problematiken wie der Geburtenrückgang in Deutschland, die steigenden Arbeitslosenzahlen und sinkenden Löhne, der Anwachs der Unterschicht und nicht zuletzt auch die laut Sarrazin „mangelhafte Migrationsbereitschaft“ und die „problematische Zuwanderungsrate“. Doch natürlich kritisiert der ehemalige Bundesbanker und Autor nicht nur unverblümt, er versucht auch Anhaltspunkte und Anstöße zu geben, wie man angeprangerte Problematiken aus der Welt schaffen könnte. Damit tritt er aber auch nicht selten in das eine oder andere Fettnäpfchen.
Der größte Konfliktpunkt an Sarrazins Buch ist dabei nicht einmal, dass der ehrliche Autor in vielen Dingen schlichtweg Unrecht hätte. Selbst Hasser und Kritiker müssen wenigstens an der einen oder anderen Stelle zugeben, dass viele Dinge der bitteren Wahrheit entsprechen. Vielmehr sorgt seine oft etwas schroffe Art und Weise diese anzuprangern dafür, dass die Lektüre selbst Fans und Befürworter wohl ab und an bitter aufstoßen lassen dürfte. Ein besonderes Beispiel hierfür sind die im Buch eher wenig positiv behandelten Themen wie die Zuwanderungsrate und die Immigration in Deutschland. Hier bekommen oft nicht nur die Politik und die Wirtschaft etwas ab, sondern auch einzelne Privatpersonen, die sich angesprochen gefühlt könnten.
Sarrazins Buch ist schwer in Worte zu fassen, wühlt aber eindeutig auf und dürfte die meisten Leser wenigstens nachdenklich zurücklassen – ob man nun mit dem Autor übereinstimmt oder nicht. Das kommt eindeutig auf den Leser selber an und lässt sich nicht pauschalisieren. Jedoch kann man übergreifend sagen, dass Sarrazins Zeilen nicht vollkommen undurchdacht, absolut unbegründet und undifferenziert daherkommen. „Deutschland schafft sich ab“ ist sicherlich einen Blick ins Buchinnere wert – und sei es nur darum, dass man sich eine eigene Meinung bilden kann.