15. Juli 2008

Das Absurde bei Camus

Kategorie: Französischer Existentialismus, Literatur — Dr. Marcuse @ 10:52

Ausgangspunkt im Denken und einer der wichtigsten Begriffe bei Albert Camus ist das Absurde, das erstmals in dem Essay „Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde“, entstanden zwischen 1936 und 1941, thematisiert wird. Aus der Begegnung des Menschen mit der Welt als „Zwiespalt zwischen dem sehnsüchtigen (menschlichen) Geist und der enttäuschenden schweigenden Welt“ erwächst nach Ansicht Camus’ die Erfahrung des Absurden. Die unüberbrückbare Diskrepanz zwischen Hoffnung und Wirklichkeit, zwischen Intention und Ergebnis wirft die Frage auf, ob es sich überhaupt lohnt dieses sinnlose Leben zu führen oder ob nicht der Selbstmord die einzig mögliche Konsequenz darstellt. Dieser Ausweg wird allerdings verworfen, da mit dem Selbstmord der Mensch und damit der natürliche Partner des Absurden verschwindet und somit auch die Möglichkeit die absurde Situation zu überwinden. Nur die ständige Auflehnung und die Revolte gegen das Absurde geben dem Leben einen Sinn und können zur Selbstverwirklichung führen. Ziel des Handelns ist ein größtmöglichstes Quantum an Erfahrung in allen Lebensbereichen. Sinnbild dafür, ist für Camus der Mythos von Sisyphos, dessen hingebungsvolles Tun gerade in der Sinnlosigkeit als Revolte zur Selbstverwirklichung erscheint.

War die Revolte in „Der Mythos von Sisyphos” noch selbstzweckhaft, vollzieht Camus in dem Essay „Der Mensch in der Revolte“ von 1951 den Schritt hin zur geschichtlichen und gesellschaftlichen Dimension der Revolte. Die Schrecken des Krieges und der Kampf in der Resistance lassen ihn die Auflehnung in einen globaleren Kontext stellen. Nur in der Liebe zu anderen Menschen in der Erfahrung der Solidarität und Brüderlichkeit der Menschen im gemeinsamen Kampf gegen Unheil und Tod und besonders im künstlerischen Schaffen, können eine Selbstverwirklichung und eine Überwindung des Absurden geschehen.