In Deutschland noch recht unbekannt, sorgt Antonio José Ponte in seinem Heimatland Kuba für Aufsehen. Der 1964 geborene Schriftsteller, der zahlreiche Gedicht und Essays publizierte, wurde dort mit einer Literaturprofessur und Preisen geehrt, bis er 2003 aus dem kubanischen Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde. Hintergrund war seine Mitarbeit an einer kubanischen Exilzeitschrift in Madrid.
Mit „Der Ruinenwächter von Havanna“ erscheint erstmals eine Publikation in deutscher Sprache, in der sich Ponte auf eine literarischen Streifzug durch Havannas Altstadt auf den Spuren Graham Green, Jean Paul Sartre und Ry Cooder begibt. In vier langen Kapiteln umkreist Ponte mal essayistisch, mal autobiographisch, dann wieder erzählend oder referierend die Geschichte Havannas, wobei die Ruine als Metapher für den kulturellen und politischen Zustand Kubas dient. In „Der Ruinenwächter von Havanna“ bleibt nichts mehr von der gerne heraufbeschworenen Kuba-Romantik übrig, sondern wirft einen Blick hinter die Kulissen und enthüllt eine nicht ganz unpersönliche Sicht auf die kubanischen Verhältnisse.
Antonio José Ponte: Der Ruinenwächter von Havanna
Aus dem kubanischen Spanisch von Sabine Giersberg
Antje Kunstmann Verlag, München 2008, 234 Seiten