Alle, die eine ebenso große Liebe zum deutschen Kino verspüren, wie Michael Althen und Hans Helmut Prinzler, die sollten sich den Film „Auge in Auge“, der seit 3. Juli im Kino läuft anschauen. Der Journalist und der Filmhistoriker haben sich daran gemacht auf eine Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte zu gehen. Dabei haben sie sich prominente Unterstützung geholt. Die Frage was eigentlich so deutsch am deutschen Kino ist, versuchen fünf Regisseure, zwei Regisseurinnen, ein Schauspieler, ein Drehbuchautor und ein Kameramann anhand ausgewählter Szenen ihres Lieblingsfilms zu illustrieren und erzählen, warum der Film für sie eine besondere Bedeutung hat.
Tom Tykwer beispielsweise hat durch Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ aus dem Jahre 1921 das Fürchten gelehrt, während Caroline Link „Heimat 1“ von Edgar Reiz (1984) wegen der mit Liebe und Geduld erzählten Geschichten besonders schätzt. Die meisten Filme sind bekannte Klassiker, die ihren Platz im Kanon des deutschen Films haben. Nur ein Film darf als weithin unbekannt gelten: „Rocker“ von Klaus Lemke (1971), der für Dominik Graf die großen Qualitäten einer authentischen Dokumentation hat. Der Autor Wolfgang Kohlhaase bewundert die Personenbeobachtungen und den Charme des späten Stummfilms „Menschen am Sonntag“ (1929) von Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer. Für Wim Wenders machen die visuellen Erfindungen und die fast dokumentarische Genauigkeit die besondere Bedeutung des Films „M“ (1931) von Fritz Lang aus. Den Film „Unter den Brücken“ von Helmut Käutner, von 1944, interpretiert Christian Petzold als Desertationsfilm, weil er sich dem damaligen
Kriegsgeschrei verweigerte. Hanns Zischler erinnert sich an die Verstörungen, die Alexander Kluges Aufbruchsfilm „Abschied von gestern“ (1966) bei ihm ausgelöst hat. Für Andreas Dresen sind die Dialoge von Wolfgang Kohlhaase in „Solo Sunny“ (1979) von Konrad Wolf noch heute unvergessen. Der Kameramann Michael Ballhaus beschreibt seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder bei dem Film „Die Ehe der Maria Braun“ (1978). Und für Doris Dörrie ist „Alice in den Städten“ von Wim
Wenders (1973) ein neuer, auch selbstironischer Blick des Regisseurs auf das Deutschland der siebziger Jahre, von dem sie viel gelernt hat.
Die Dokumentation „Auge in Auge“ schärft den Blick für großes Kino und macht Lust auf mehr.
