Die Dänen haben ja bekanntermaßen einen natürlichen Hang zum Morbiden und Makaberen. Das untermauert jetzt auch Erling Jepsen mit seinem neuen Werk „Die Kunst im Chor zu weinen“, der jetzt endlich auch auf Deutsch erschienen ist. Erzählt wird eine Familiengeschichte aus der südjütländischen Provinz gegen Ende der 1960er Jahre aus der Sicht des elfjährigen Allan.
Die Eltern betreiben dort ein Milchgeschäft, das sich der aufkommenden Konkurrenz der Supermärkte erwehren muss. Um sich etwas Zubrot zu verdienen, hält der Vater Reden auf Begräbnissen. „Wenn Vater eine gute Grabrede hält, dann haben ihn die Leute gern, und wenn die Leute ihn gern haben, dann hat er auch uns gern.“, lautet die naive Einschätzung des Heranwachsenden, dem die Familienharmonie über alles geht. Doch mit Fortschreiten der Handlung treten die Abgründe der Familie und der dörflichen Gemeinde immer deutlicher zum Vorschein. Da wird schon mal der Nachbar verprügelt, wenn er beim Heckenschneiden ein paar Blätter in den angrenzenden Garten fallen lässt oder aber es wird, wenn die Todesfälle mal wieder ausbleiben, einfach nachgeholfen. Durch die Brille des kleinen Allan gesehen, passen sich die Schrecklichkeiten fast reibungslos in die Normalität ein und machen den Text so schwarzhumorig und skurril. „Die Kunst im Chor zu weinen“ wurde auch schon verfilmt und erhielt 2008 prompt eine Oscarnominierung.