André Breton formulierte 1924 im ersten Manifest des Surrealismus erstmals die ästhetischen Grundlinien des Surrealismus, wobei er sich fast ausschließlich auf die Literatur beschränkt. Die wichtigsten Schlagworte sind das Wunderbare, der Traum, der Wahnsinn und die Halluzination. Was der Surrealisten Chef kritisierte, ist die Unterwerfung der Imagination unter die Gesetze der Vernunft nach Maßstäben der Realität und des Materialismus. Erst mit der Entdeckung bzw. detaillierten Forschungsergebnissen im Bereich des Unbewussten und des Traumes von Seiten Freuds, sah Breton die Möglichkeit der Imagination auch im Zustand des Bewusstseins einen gleichwertigen Rang zukommen zu lassen, was seiner Meinung nach bisher vernachlässigt wurde. In Verbindung mit Freuds Psychoanalyse erhofften sich die Surrealisten eine Erweiterung der Erkenntnisform, wobei die Deutung des Unbewussten eher im Hintergrund stand. Wichtig war es, neue Methoden zu finden, das Unterbewusste zu tage zu fördern, um so neue Möglichkeiten auf dem Gebiet des Ausdrucks zu erzeugen.
Ein Mittel dafür, sah Breton in der Methode der Ecriture automatique (automatisches Schreiben). Sie wird als Möglichkeit zur Befreiung kreativer Möglichkeiten angesehen. Der Widerspruch zwischen, angeblicher Abwesenheit einer verstandesmäßigen Kontrolle einerseits und literarischer Praxis des Automatismus andererseits ergibt, kann aufgelöst werden, indem das spielerische Moment dieser Methode bewusst eingesetzt wird. Selbst im Zustand der äußersten Passivität bleibt das Denken immer auf etwas gerichtet, was allein die Tatsache, dass der automatische Text die syntaktischen und grammatischen Regeln nicht verletzt, bezeugt. Für Breton scheint das Interesse auf solchen poetischen Bildern zu liegen, die durch eine alogische Verknüpfung von Worten zustande kommen können. Wichtig für ihn ist also die Wirkung der Bilder, nicht die Ursache, wobei Breton den Begriff des Bildes sowohl für die sprachliche als auch für die visuelle Bilder gebraucht.
Das stärkste Bild, muß ich gestehen, ist für mich das, das von einem höchsten Grad an Willkür gekennzeichnet ist; für das man am längsten braucht, um es in die Alltagssprache zu übersetzen, sei es, daß es einen besonders hohen Grad an offenkundiger Widersprüchlichkeit aufweist, sei es, daß einer der Ausdrücke merkwürdig verborgen bleibt… (Erstes Manifest des Surrealismus)
Da für die Surrealisten festgelegte Begriffe, Wort und Dinge nicht mehr glaubwürdig erschienen, wurden ihr Inhalt und Funktion in Frage gestellt und sollten neuen Maßstäben gehorchen, indem die Elemente aus ihrem gewöhnlichen Zusammenhang isoliert und in einem neuen Kontext arrangiert wurden.