13. Dezember 2008

El baño del papa –Das große Geschäft

Kategorie: Kino — Nic Knatterton @ 17:07

Als Kontrastprogramm zu Aktion geladenen Kinoblockbustern, wie sie ja zur Vorweihnachtszeit gerne ins Kino kommen, ist der kleine, trakigkomische und sozialkritische Film über den Traum kleiner Leute reich zu werden, zu empfehlen.


Foto: Kairo

El baño del papa –Das große Geschäft“ erzählt die Geschichte von Beto, der mit Frau und Tochter in dem verschlafenen Städtchen Melo im Nordosten Uruguays lebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit waghalsigen Schmuggeltouren per Fahrrad über die brasilianische Grenze. Eines Tages gerät ganz Melo aus dem Häuschen, denn Papst Johannes Paul II. hat seinen Besuch angesagt und will seine Uruguay-Tour ausgerechnet in dieser kleinen Stadt beginnen. Mehr als 50.000 Menschen würden zu diesem Ereignis erwartet, wissen die Medien zu berichten. Das dürfte nicht nur der Seele gut tun, da ist auch ein großes Geschäft zu machen. Fortan haben die Einwohner von Melo nur noch eines im Sinn: der riesigen Volksmenge, die den Papst empfangen wird, Sandwichs, Würste und Getränke zu verkaufen. Um diesen riesigen Ansturm bewältigen zu können wären sicher einige Kühlanhänger nötig gewesen.

Anders jedoch Beto. Er überlegt sich, vor seinem Haus ein kostenpflichtiges Klo zu bauen mit einer Tür, weil er davon ausgeht, dass der eine oder die andere der 50.000 Besucher auch mal muss. Ehefrau Carmen und Tochter Silvia werden Türhüterin und Klopapier-Anreicherin spielen – hundertfache Rendite scheint sicher. Dann könnte Beto sich endlich ein Motorrad kaufen und Silvia in der Hauptstadt studieren. Aber schon der Bau des Toilettenhäuschens ist ein unerwartetes Abenteuer, das Beto an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt. Dann ist der große Tag des Papstbesuchs da…

Angeregt durch den tatsächlichen Papstbesuch 1988 in der Kleinstadt Melo nahe der brasilianischen Grenze, haben Enrique Fernández und César Charlone eine bitter süße Komödie über die Hoffnungen der Menschen auf ein besseres Leben gedreht, das am Ende zeigt, dass nur der Weg das Ziel ist.