Romain Rolland, André Gide, Albert Camus und viele andere Franzosen haben ihn bekommen, den Nobelpreis für Literatur. In diesem Jahr war ja, nach den abfälligen Äußerungen von Horace Engdahl, dem ständigen Sekretär des Nobelpreiskomitees in Richtung Amerikas Literaturbetrieb ziemlich klar, dass ein Europäer den hoch dotierten Preis abstauben würde. Die Spekulationen im Vorfeld waren wie gehabt rege: Bei den Buchmachern dominierten Claudio Magris aus Italien, der syrischstämmige in Paris lebende Lyriker Adonis und der Israeli Amos Oz, also drei Nicht-Amerikaner. Experten allerdings räumten aber auch Ko Un aus Südkorea oder den beiden US- Autoren, Don DeLillo und Philip Roth große Chancen ein.
Nun ja da lagen allesamt daneben, denn die höchste Auszeichnung hat nun der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio bekommen, der in Deutschland nur einem kleinen Kreis bekannt sein dürfte. Die Schwedische Akademie begründete die Entscheidung mit den Worten er sei ein „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation“. In der Tat beschäftigen sich die Bücher des 68-jährigen hauptsächlich mit fremden Kulturen und Bräuchen. Zwar steht der Debütroman “Le procès-verbal (1963, dt. “Das Protokoll” 1965) des in Nizza geborenen Autors noch im Zeichen des existentialistische geprägten Frankreichs, doch in den Nachfolgewerken richtet sich der Focus immer stärker auf außereuropäische Völker. Das verwundert angesichts der Vita Le Clézio keines Falls.
Sein Studium Philosophie und Literatur begann er in Nizza, setzte es in London und Bristol fort und ging dann als Lektor in die USA. Den Militärdienst absolvierte er in Thailand und Mexiko. Später lebte er noch einige Jahre bei einem Indio-Volk in Panama. Wie der junge Le Clézio 1948 seinen Vater, ein Engländer, der unter anderem als Militärarzt der britischen Armee in Kamerun und Nigeria arbeitete, kennen lernte, verarbeitet der Text „Der Afrikaner“ aus dem Jahr 2007.
Insgesamt hat Le Clézio mehr als 50 Romanen, Essays und Novellen veröffentlicht, von denen allerdings nur wenige ins Deutsche übersetzt worden sind.