7. August 2008

Sartres „Der Ekel“

Kategorie: Französischer Existentialismus, Literatur — Dr. Marcuse @ 12:28

Der 1938 erschienene Roman „La nausée“ (Der Ekel) von Jean-Paul Sartre gehört mit zu seinen bekanntesten Werken. Das existentialistische Frühwerk ist als fiktives Tagebuch abgefasst und setzt sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander. Antoine Roquentin beginnt seine Niederschrift im Februar des Jahres 1932 bis zum Tag seiner Abreise aus Bouville, wo er sich seit drei Jahren zu historischen Studien über den ebenfalls fiktiven Marquis de Rollebon aufhält. Ein merkwürdiges Seinsgefühl, das ihn seit kurzem immer öfter überfällt, veranlasst Roquentin diesem auf den Grund zu kommen und gibt ihm in seinen Aufzeichnungen freien Lauf. Zunächst ist er unsicher ob dieser „Ekel“, den er bei der Berührung bestimmter Dinge, später vor den Menschen und der Körperlichkeit überhaupt empfindet, von außen herrührt oder in ihm selbst begründet ist. Schritt für Schritt tastet er sich mit seiner Selbstbeobachtung vor, um zur Einsicht zu gelangen, dass er von einer selbstgefälligen und verlogenen Gesellschaft umgeben ist. Der Ekel stellt für Roquentin die unmittelbare und radikale Existenzerfahrung dar.

Das innere Bedürfnis nach Revolution muss angesichts seiner unbedeutenden Einzelexistenz scheitern, so dass er eine Lösung in der Kunst sucht. Roquentin will einen Roman über seine Verzweiflung schreiben. Der Leser erfährt allerdings nicht, ob ihm das gelingt, da seine Tagebuchaufzeichnungen nach seinem Tod (vielleicht Selbstmord) unter seinen Papieren gefunden wurden.

Das Buch ist zwar nicht leicht zu lesen, aber die Klarheit der Sprache und die psychologischen Details des inneren Aufruhrs des Protagonisten machen das Buch zeitlos.