27. Oktober 2008

Arturo Pérez-Reverte: La tabla de Flandes

Kategorie: Literatur — Dr. Marcuse @ 17:22

Nicht nur Schachspielern wird die Lektüre „La tabla de Flandes“ (Das Geheimnis der schwarzen Dame) von Arturo Pérez Revert Freude bereiten. Der Spanier hat mit „La tabla de Flandes“ einen äußerst spannenden und intelligenten Kriminalroman geschaffen, der sich des Schachmotivs bedient und aus diesem seine Dynamik entwickelt.

Die Protagonistin Julia, eine angesehene Restaurateurin, stößt bei ihrer Arbeit an einem alten Gemälde auf die geheimnisvolle Inschrift „Quis necavit equitem?“ (Wer hat den Ritter/ Springer getötet?), die eine Röntgenaufnahme zu Tage fördert. Das Bild des flämischen Meisters Pieter van Huys zeigt nämlich zwei adelige Männer, während einer Schachpartie, im Hintergrund steht eine schwarzgekleidete Frau. Diese Inschrift veranlasst Julia sich mit Hilfe von Alvaro, ihrem Ex-Freund und César mit den historischen Hintergründen der dargestellten Personen zu befassen. Bei den Nachforschungen rückt die auf dem Bild dargestellte Schachpartie immer mehr in den Fokus. Julia sucht sich Unterstützung bei einem genialen Schachspieler namens Muñoz, der ganz im Sherlock Holms Stil die Tatsachen analysiert, abwägt und dann logische seine Rückschlüsse zieht. So wie sich die Vermutung eines vergangenen Mordes einer der dargestellten Personen erhärtet, findet auch in der Gegenwart ein Mord statt. Alvaro wird tot aufgefunden. Als Julia schließlich auch noch kleine Kärtchen mit Schachspielzügen findet, wird klar, dass die Ereignisse der Vergangenheit und der Gegenwart in irgendeinem Zusammenhang stehen.
Wer zumindest rudimentär die Schachregeln kennt, wird bestimmt von dem Buch in Bann gezogen. Vor allem durch den intelligenten Gebrauch des Schachmotivs, schafft es Pérez-Reverte typische kriminalistische Effekte wie Spannungsaufbau, falsche Fährten und Doppeldeutigkeit der Spuren zu erzeugen. Das Schachmotiv dient aber auch als intertextuelles Instrument um auf Motive, Texte und Figuren aus den Bereichen der Geschichte, Literatur, Musik und der bildenden Kunst zu verweisen. „La Tabla de Flandes“ ist, auch wenn Kritiker den doch am Schluss etwas zu vorhersehbaren und konstruierten Plot bemängeln, ein postmoderner Krimi par excellence, der es schafft den Text selbst als ein Spiel aus Referenzen, Anspielungen und Zitaten zu lesen.