20. Juli 2008

Entstehung des Schachspiels

Kategorie: Kultur und Lifestyle Allgemein — Nic Knatterton @ 11:36

Eine genaue Geburtsstunde des Schachspiels ist nicht bekannt nur, dass es schon sehr alt ist. Ebenso wenig weiß man woher es kommt, noch wer die erste Partie gespielt hat. Bis ins 19. Jahrhundert suchte man vergeblich nach dem Erfinder, des schwersten Spiels der Welt. Aristoteles, der babylonische Philosoph Xerxes, der chinesische Kaiser Kaiser Wu Ti oder aber Palamedes, Pythagoras oder Philometer wurden schon als Väter benannt. Erst im 20. Jahrhundert ist man von dem Gedanken eines einzelnen Erfinders abgewichen und sieht die Entwicklung der Regeln als Konglomerat aus verschiedenen Quellen und Formen.

Schachspiel

Eine der wichtigsten Quellen ist die des arabischen Schriftstellers al-Sabhadi über Sissa, den Sohn des Dahir. Glaubt man al-Sabhadi, so hat Sissa das Schachspiel zur Läuterung des Tyrannen Shahrâm erfunden. Dem Herrscher gefällt das schwierige Spiel und will ihr dafür belohnen. Dieser antwortet dem König, er wolle so viele Weizenkörner, die nötig sind, um die 64 Felder des Schachbretts zu füllen und zwar indem er ein Korn auf das erste Feld, zwei auf das zweite, vier auf das dritte, acht auf das vierte und so weiter, legt. Über die vermeintliche Bescheidenheit Sissas gerät Shahrâm in Wut und bestraft ihn zum Tode. Kurz vor der Hinrichtung, nach langem Rechnen, präsentieren Mitarbeiter des Königs die Zahl der Weizenkörner. Es sind 18.446.744.073.709.551.651. Die Menge die Sissa gefordert hat, übersteigt alle Ernten der Welt. Ganz Indien könnte mit einer Meter hohen Schicht Weizen bedeckt werden und zur Aufbewahrung benötigte man einen Getreidespeicher von zwölf Billionen Kubikmetern. Die Klugheit Sissas beeindruckte den König tief und er macht ihn zu seinem Berater. So viel zur Legende vom Weizenkorn.

Ein gesicherter Hinweis auf die Existenz des Schachspiels findet sich im dem persischen Buch vom Schatrang, in dem berichtet wird, dass ein König aus Indien dem persischen Herrscher ein Schatrang (Schachspiel) aus 16 roten und grünen Teilen übersandte, um seine Intelligenz zu prüfen. Nach einigen Tagen gelingt es dem persischen Weisen, das Rätsel zu lösen:

Der König (Schah) stellt die beiden höchsten Oberhäupter dar; zu seiner Seite der Befehlshabende General(Farsin), der Elefant (Pil) fungiert als Befehlshaber der Wache; das Pferd (Asp) hat den Platz des Kommandanten der Kavallerie inne; der Kriegswagen (Rukh) zur linken und zur rechten Hand dient zur Bezeichnung der ausgewählten Einheiten, und die Fußsoldaten (Piyada) stellen die Truppen auf dem Schlachtfeld dar.

Das Ensemble des persischen Schatrang entspricht in manchem der indischen Heeresordnung - dem Chaturanga. Sie ist im Sanskrit-Epos Mahâbhârata beschrieben, dem Bericht vom großen Kampf der Nachkommen des Bharata, das etwa von 400 v. bis 400 n. Chr. kompiliert worden ist. Das indische Heer bestand aus vier Teilen; den Elefanten(hastin) den Streitwagen (ratha), den Reitern (áswa)und Fußsoldaten (padâti). Dazu kommt als Anführer der König (raja), was die Vermutung nahe legt, dass es sich beim Schachspiel ursprünglich um ein Modell der indischen Armee handeln könnte, die auf dem Ashtapada, dem Spielbrett, mit Figuren nach gebildet wurde.

Quelle: Schach, Die Kunst des Schachspiels, Ernst Strouhal