Wer meint über Franz Kafka sei schon alles geschrieben und sein Leben en detaille rekonstruiert, der hat sich getäuscht. Die Fotoausstellung „Kafkas Welt“ im Münchner Literaturhaus bietet einige neue Einblicke in den Alltag des Prager Schriftstellers. Der Germanist Hartmut Binder hat in langer Recherche an die 150 Fotos zusammengetragen, die dem gängigen Bild vom Ausnahmeliteraten so gar nicht entsprechen. Hier bekommt man einen lebensfrohen Menschen, der gerne reiste, von schönen Frauen umringt war, gerne ins Kino ging, in Kaffeehäusern saß und in der Moldau schwamm, präsentiert.
Ein wiederentdecktes Fernsehinterview seines Freundes Max Brodt aus dem Jahre1967 unterstreicht das Ganze noch. Hier wird von nächtlichen Spaziergängen und wilden Zusammenkünften berichtet und Alice Herz-Sommer, die letzte, heute noch lebende Freundin Kafkas, bescheinigt dem Literaten eine große Anziehung auf Frauen. Wer also seine Meinung über den angeblich so depressiven und verzweifelten Ausnahmeschriftsteller revidieren will, der kann die Ausstellung im Literaturhaus noch bis 3. August besuchen.