Mit zu den bekanntesten Büchern der deutschen Literatur gehört zweifelsohne der Roman „Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ von Thomas Mann. Das erste große Werk des Lübeckers schlug schon damals, 1901, wie eine Bombe ein und ist bis heute in jedem Bücherregal eines gutbürgerlichen Haushalts zu finden. 1929 erhielt Mann für das Œvre den Nobelpreis, in dem auf knapp 800 Seiten die Lebensgeschichte von vier Generationen einer zunächst im Aufstieg, dann im Fall begriffenen Lübecker Kaufmannsdynastie im 19. Jahrhundert erzählt wird. Klar, dass so ein Stoff nach Verfilmung ruft.
Als erster wagte sich Gerhard Lamprecht 1923, damals noch ohne Ton und Farbe, an das Mammutwerk und erntete auch gleich Kritik vom Autor selbst, er habe daraus ein gleichgültiges Kaufmannsdrama gemacht. 1959 folgte Alfred Weidemanns Film mit Liselotte Pulver, Nadja Tiller, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar und weiteren Stars des deutschen Kinos, der trotz der Drehbuchüberwachung von Manns Tochter Erika nur mäßigen Erfolg feierte. Die bislang jüngste Adaption des Jahrhundertromans stammt von Franz Peter Wirth, die 1978 als elfteilige Fernsehserie konzipiert wurde und sich bis ins Detail an die literarische Vorlage hält.
Am ersten Weihnachtsfeiertag ist es dann wieder soweit, da kommt die insgesamt vierte Verfilmung der Buddenbrooks in die Kinos. Kein geringerer als Heinrich Breloer, der sich mit der Fernsehstaffel „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ zum Mann-Spezialisten machte, hat den detailreichen Inhalt der Romanvorlage auf 150 Filmminuten verdichtet. Man fragt sich nur, ob es im 21. Jahrhundert eine neue Version der „Buddenbrooks“ bedarf. Breloer selbst ist von der Aktualität des Stoffes überzeugt: Macht, Gier, Globalisierung das sind in der Finanzkrise Themen von größter Brisanz. Das kann man schon mal 16 Millionen Euro springen lassen und sich mit der Auszeichnung teuerste rein deutsche Filmproduktion schmücken. Dafür gibt’s dann ein pompöses Kostümfilmchen mit deutschen Vorzeige-Schauspielern wie Iris Berben, Armin Müller-Stahl und Jessica Schwarz, das den Kritiken nach zu urteilen, nicht in der Lage ist ein Eigenleben zu entwickeln. Naja vielleicht müssen erst weitere dreißig Jahre vergehen bis sich wieder jemand an eine filmische Adaption wagt. Aber damit das Warten nicht so lang wird, einfach die Neuauflage von Fontanes “Effi Briest” anschauen, die bald in die Kinos kommt.
