20. Dezember 2008

Buddenbrooks die „Vierte“

Kategorie: Kino, Literaturverfilmungen — Nic Knatterton @ 13:27

Mit zu den bekanntesten Büchern der deutschen Literatur gehört zweifelsohne der Roman „Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ von Thomas Mann. Das erste große Werk des Lübeckers schlug schon damals, 1901, wie eine Bombe ein und ist bis heute in jedem Bücherregal eines gutbürgerlichen Haushalts zu finden. 1929 erhielt Mann für das Œvre den Nobelpreis, in dem auf knapp 800 Seiten die Lebensgeschichte von vier Generationen einer zunächst im Aufstieg, dann im Fall begriffenen Lübecker Kaufmannsdynastie im 19. Jahrhundert erzählt wird. Klar, dass so ein Stoff nach Verfilmung ruft.

Als erster wagte sich Gerhard Lamprecht 1923, damals noch ohne Ton und Farbe, an das Mammutwerk und erntete auch gleich Kritik vom Autor selbst, er habe daraus ein gleichgültiges Kaufmannsdrama gemacht. 1959 folgte Alfred Weidemanns Film mit Liselotte Pulver, Nadja Tiller, Hansjörg Felmy, Hanns Lothar und weiteren Stars des deutschen Kinos, der trotz der Drehbuchüberwachung von Manns Tochter Erika nur mäßigen Erfolg feierte. Die bislang jüngste Adaption des Jahrhundertromans stammt von Franz Peter Wirth, die 1978 als elfteilige Fernsehserie konzipiert wurde und sich bis ins Detail an die literarische Vorlage hält.

Filmplakat Buddenbrooks

Foto: Warner

Filmzitate

Am ersten Weihnachtsfeiertag ist es dann wieder soweit, da kommt die insgesamt vierte Verfilmung der Buddenbrooks in die Kinos. Kein geringerer als Heinrich Breloer, der sich mit der Fernsehstaffel „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ zum Mann-Spezialisten machte, hat den detailreichen Inhalt der Romanvorlage auf 150 Filmminuten verdichtet. Man fragt sich nur, ob es im 21. Jahrhundert eine neue Version der „Buddenbrooks“ bedarf. Breloer selbst ist von der Aktualität des Stoffes überzeugt: Macht, Gier, Globalisierung das sind in der Finanzkrise Themen von größter Brisanz. Das kann man schon mal 16 Millionen Euro springen lassen und sich mit der Auszeichnung teuerste rein deutsche Filmproduktion schmücken. Dafür gibt’s dann ein pompöses Kostümfilmchen mit deutschen Vorzeige-Schauspielern wie Iris Berben, Armin Müller-Stahl und Jessica Schwarz, das den Kritiken nach zu urteilen, nicht in der Lage ist ein Eigenleben zu entwickeln. Naja vielleicht müssen erst weitere dreißig Jahre vergehen bis sich wieder jemand an eine filmische Adaption wagt. Aber damit das Warten nicht so lang wird, einfach die Neuauflage von Fontanes “Effi Briest” anschauen, die bald in die Kinos kommt.

22. Juli 2008

Verfilmung „Stadt der Blinden“

Kategorie: Kino, Literaturverfilmungen — Nic Knatterton @ 15:46

Literaturverfilmungen gelingen ja in der Regel eher selten, oder werden dem Original nicht gerecht. Mit Spannung wird jetzt die Umsetzung des wirklich genialen Romans „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago erwartet. Regie führt Fernando Meirelles, der 2002 schon mit „City of God“ in Cannes für Aufsehen gesorgt hat.

Die Geschichte ist schnell erzählt: völlig ohne Vorwarnung und ersichtlichen Grund verbreitet sich seuchenartig eine Blindheit unter der Bevölkerung einer x-beliebigen Stadt. Nach und nach werden alle ihre Bewohner blind und können nur noch Weiß sehen. Nur die Frau (Julianne Moore) eines Doktors (Mark Ruffalo) bleibt von der Erkrankung verschont. Allerdings stellt sie sich blind, um nicht von ihrem Mann getrennt zu werden, denn die Erblindeten werden von einer panischen Außenwelt in eine ehemalige Heilanstalt gepfercht und dort mit Ausnahme von regelmäßigen Nahrungslieferungen ihrem Schicksal überlassen. Während die öffentliche Ordnung in Chaos versinkt, kümmert sie sich um ihren Mann und wird zum Hoffnungsträger für die Menschen. Mit ihrer Hilfe gelingt einer kleinen Gruppe die Flucht aus der Quarantäne.

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Das Buch ist eine grandiose und schonungslose Parabel über die moralischen Abgründe der Menschen. Es wird abzuwarten sein, wie Meirelles die visuelle Umsetzung der „Blindheit“ gelingt. Die Kritiken fallen unterschiedlich aus. Über eins scheinen sich die Journalisten allerdings einig zu sein, dass die Musik nicht wirklich gelungen ist und die Erzählerstimme aus dem Off (im Original Danny Glover) nervt. Bei uns läuft der Film am 23. Oktober an.