Schon zu Zeiten, als der Hollywoodfilm noch Kinderschuhe trug, wurde im europäischen Kino auf Effekthascherei gesetzt. Allen voran die Surrealisten, die sich ganz der Provokation und dem Schockieren verschrieben haben. Der bekannteste surrealistische Film ist “Un chien andalou” (Ein andalusischer Hund, 1929) unter der Leitung von Salvador Dalí und Luis Buñel entstanden. Wer sich für Filmgeschichte interessiert, der sollte sich den Streifen unbedingt zu Gemüte führen. Zwar ist “Un chien andalou” an Handlung etwas rar, aber vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet ein wahres Meisterwerk des Avantgarde Kinos.
Ganz den Forderungen des Surrealismus gehorchend, das Unbewusste zu Tage zu fördern, protokollierten die beiden Freunde ihre Träume und verwendeten dann jene Bilder, die keiner von ihnen verstand. Heraus kam ein 17 Minuten langer Stummfilm, in dem sich die Sequenzen ohne immanente Logik aneinanderreihen und lediglich eine Assoziationskette ergeben.
Inbegriff der surrealistischen Shockmontage ist das, in Analogie zueinander gesetzte Bild einer Rasierklinge, die das Auge eines Mädchens durchtrennt und die Wolke, die am nächtlichen Vollmond vorbeizieht.
© http://www.eoran.com/unchienandalou/espanol/index.php
Im Drehbuch hört sich das folgendermaßen an:
„Ein Balkon in der Nacht. Ein Mann schärft sein Rasiermesser nahe am Balkon. Der Mann betrachtet den Himmel durch die Scheiben und sieht… eine schmale Wolke, die auf den Vollmond zutreibt. Dann: der Kopf eines jungen Mädchens mit weitgeöffneten Augen. Dem einen Auge nähert sich die Klinge des Rasiermessers. Jetzt zieht die schmale Wolke vor dem Mond vorbei. Die Klinge des Rasiermessers zerschneidet das Auge des jungen Mädchens.“
Für die heutigen Verhältnisse mag das Herausquillen der Augenmasse (für die Szene wurde ein Tierauge genommen) nicht mehr den Schockeffekt erzeugen wie damals, aber die Bildschnitte und die Montagetechnik sind für damalige Zeiten revolutionär. Den ganzen Film kann man auf http://www.eoran.com/unchienandalou/espanol/index.php?id=telechargement sehen, vorzugsweise auf einem Beamer.