10. August 2008

Gala und Eluard

Kategorie: Literatur, Surrealismus — Dr. Marcuse @ 13:44

Viele Geheimnisse ranken sich um Helene Dimitriewa Diakonow, die wohl bekannteste Muse des 20ten Jahrhunderts. Allein was ihr Geburtsjahr betrifft, hat sich die Russin nie eindeutig geäußert; sicher ist nur, dass sie das Licht der Welt zwischen 1893 und 1895 in Kasan an der Wolga erblickt hat. Als sie das Elternhaus 1912 verließ, gab sie sich selbst diesen auch in Russland unüblichen Vornamen. Die Mythenbildung um ihre Person hat sie selbst in Fahrt gebracht, indem sie sich nie explizit über ihr Leben geäußert hat.

Schon als Kind erschuf sich Gala imaginär Traumwelten, inspiriert von ihrer damaligen Freundin und späteren Dichterin Marina Zwetajewa, die in ihrem jungen Alter bereits weit gereist war und ihrer Freundin von den fernen Orten erzählte. Auf Grund eines Lungenleidens schickte man sie 1912 in das schweizerische Davos, was ihr wie eine Erlösung vorkommen musste. Nur kurz vor ihr war der gerade erst siebzehnjährige Eugène. Émile Grindel alias Paul Éluard im renommierten Kurort eingetroffen. Schnell wird der noch nicht ganz fertig ausgebildete Buchhändler auf die schöne Einzelgängerin aufmerksam und veröffentlicht inspiriert durch sie bald seine ersten Gedichte. 1914 schließlich war der Heilaufenthalt der beiden abgelaufen und beide kehrten nach heimlicher Verlobung in die jeweilige Heimat zurück. Der Krieg war bereits ausgebrochen und Éluard wurde trotz schlechter Gesundheit als Lazaretthelfer eingezogen. Erst 1916, als Gala volljährig war, konnte sie ihr Elternhaus verlassen und ging nach Paris, wo sie bei den zukünftigen Schwiegereltern wohnte. In dieser Zeit liest sie sehr viel und übersetzt sie Bücher aus dem Französischen ins Russische.

Während eines Fronturlaubs 1917 heiraten Éluard und Gala in aller Schnelle. Ein Jahr drauf kommt die gemeinsame Tochter Cécile auf die Welt, um die sich hauptsächlich die Großeltern kümmerten. Unmittelbar nach der Rückkehr von der Front schloss sich Éluard dem Kreis um André Breton an. Die zweisame Liebe zwischen Éluard und Gala wurde 1922 um die von Max Ernst erweitert, mit dem die Russin ein Verhältnis beginnt und bis 1924 offen auslebt. Beide werden sich in den kommenden Jahren immer fremder und flüchten sich in Liebschaften, bis schließlich 1932 das Unvermeidbare kommt: die Scheidung von Éluard und der Umzug zu Salvador Dalí, den das Paar zwei Jahre zuvor kennen gelernt hat.

Quelle: Unda Hörner, ” Die realen Frauen der Surrealisten”, Suhrkamp, 1998

Wie man sich bettet…