13. September 2008

Francis Bacon Retrospektive

Kategorie: Ausstellungen — Nic Knatterton @ 09:20

Er gehört zweifellos mit zu den ganz großen Künstlern des 20. Jahrhunderts, der 1909 in Dublin geborene Francis Bacon. Seine Bilder erzielen auf Auktionen Rekordpreise und Prominente wie Roman Abramowitsch, die Tochter des Emirs von Katar oder Damien Hirst blättern für Bacons Werke zweistellige Millionenbeträge hin. Jetzt, ein Jahr vor seinem 100. Geburtstag, zeigt die Tate Britain noch bis 4. Januar eine umfangreiche Retrospektive, die alle Phasen des Meisters abdeckt. Die düstere Anfangszeit, die religiös inspirierten Werke ebenso wie die dem Surrealismus nahe stehenden. Zerstückelte oder deformierte Körper, sinnlose Gewalt und Kämpfe prägen viele Bilder des 1992 verstorbenen Künstlers.

Vielleicht malte er soviel Leid, weil sein Leben selbst davon bestimmt war. Bereits mit 16 von daheim verstoßen, weil seine Homosexualität für die Familie nicht tragbar war, ist Bacon völlig auf sich allein gestellt. Mit Prostitution und Diebstählen hält er sich über Wasser, bis er 1927 von seinem Vater zu seinem Onkel nach Berlin geschickt wird. Doch schon kurze Zeit später geht Bacon auf eigene Faust nach Paris, wo er als Innenarchitekt und Designer arbeitet und angeregt durch Picassos Arbeit, selbst anfängt zu malen. Zurück in London 1928 richtet er sich in Kensington ein Atelier ein und stellt in den folgenden Jahren auch regelmäßig aus.

In den 50ern gibt Bacon sein festes Atelier auf. Er besucht seine Familie, die nach dem Krieg nach Südafrika ausgewandert ist. Er lernt den ehemaligen Royal Air Force-Piloten Peter Lacy kennen, mit dem er eine lange Beziehung eingeht. 1954 vertritt Bacon sein Land auf der Biennale in Venedig, 1955 organisiert das Londoner Institut of Contemporary Arts die erste Retrospektive der Werke Bacons. Ausstellungen in New York, Paris und Italien folgen. Bacon besucht Peter Lacy in Tanger und lernt die Schriftsteller der Beat Generation kennen.

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1959 nimmt er an der 2. Documenta teil, 1960 bezieht er wieder ein festes Atelier in London. 1962 dann die große Retrospektive in der Tate Gallery – am Vorabend erfährt Bacon vom Alkohol und Drogen geschuldeten Tod seines Freundes Peter Lacy.

Die 60er sind das Jahrzehnt seiner größten Popularität. Erste Künstlermonografien erscheinen, eine Ausstellung folgt auf die nächste. Bacon lernt George Dyer kennen, den er immer wieder porträtieren wird, bis dieser 1971 an einer Überdosis stirbt. Bacon trifft den Fotografen Peter Beard, der durch seine Aufnahmen von verwesenden Elefanten berühmt geworden ist. Bacons neuer Beziehungspartner ist John Edwards, Modell vieler seiner Bilder. Anlässlich einer New Yorker Ausstellung seiner Werke lernt er Andy Warhol kennen. Bacon erwirbt eine Zweitwohnung in Paris. In den 70ern mehrere Ausstellungen in Europa, Mexiko, New York. Weitere Studien zu seinen Werken erscheinen. 1985 dann die zweite große Retrospektive in der Londoner Tate Gallery. 1988 erste Ausstellung in Moskau. 1990 zieht Bacon nach Madrid. Sein chronisches Asthma erzwingt Aufenthalte in einer Privatklinik. Am 28.4.1992 stirbt er dort an Herzversagen.