17. Oktober 2008

Viennale 08

Kategorie: Festivals, Kino — Nic Knatterton @ 12:02

Viennale 08Nach Berlin, Locarno und Venedig ist jetzt Wien mit seinem eigenen Filmfest an der Reihe. Vom 17.- bis zum 29. Oktober werden in der österreichischen Hauptstadt rund 300 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme gezeigt, allerdings steht auf der Viennale nicht der Wettbewerb im Vordergrund, sondern wirklich die Materie, so dass sich der Starauflauf dementsprechend in Grenzen hält. Zwar gibt es nach zwei Wochen den Wiener Filmpreis, aber den auch nur für einen österreichischen Film, der bereits vor der jeweiligen Viennale in der Öffentlichkeit zu sehen war.

Als Entrée gibt’s gleich den Cannes-Gewinner „Entre les murs“ von Laurent Cantet über den Alltag einer Schule in einem französischen Problemviertel, den Abschluss bildet der israelische Trickfilm „Waltz With Bashir“, der aus der Sicht des Regisseurs und damaligen Soldaten Ari Folman von dem Massaker von Sabra und Schatila erzählt.

Im Hauptprogramm ist ein Schwerpunkt unter anderem auf Musik-Legende Bob Dylan und seiner Beziehung zum Film gesetzt, so dass es nicht nur Streifen, die sich mit seinem Leben auseinandersetzten wie beispielsweise „Masked & Anonymous“ aus dem Jahre 2003 gezeigt werden, sondern auch Arbeiten vom Altmeister selbst wie „Renaldo & Clara“ von 1978. Natrlich kommt auch der heimische Film auf der Viennale nicht zu kurz. Sämtliche österreichischen Produktionen sind Erstaufführungen, einige sogar Weltpremieren wie der Dokumentarfilm „Lets make money“ von Erwin Wagenhofer.

Ein weiteres Tribute gilt dem deutschen Filmemacher Werner Schröter, der erst kürzlich mit seinen neusten Film „Diese Nacht“ (Nuit de Chien) in Venedig für Aufsehen gesorgt hat. Auch „The Wrestler“ vom New Yorker Regisseur Darren Aronofsky über einen alternden Show-Ringer, gespielt von Mickey Rourke, wird dem Wiener Publikum nicht vorenthalten. Zudem liegt der Fokus auf dem lateinamerikanischen Kino sowie Porträtfilmen wie beispielsweise über Mike Tyson von James Toback oder der Rocksängerin Patti Smith von Steven Sebring ein Porträt gewidmet. In Wien ist halt der Film der Star.

7. September 2008

Goldner Löwe für „The Wrestler“

Kategorie: Festivals, Kino — Nic Knatterton @ 11:39

Fast wie eine Autobiografie von Mickey Rourke kommt der FilmThe Wrestler“ des New Yorker Regisseurs Darren Aronofsky daher, der jetzt den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen hat. Die Rolle eines alternden Wrestling-Stars ist dem 55-jährigen Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben: Der in die Jahre gekommene Kämpfer will es noch einmal wissen und steigt in den Ring. Auch im richtigen Leben versuchte sich Rourke als Boxer, von 1991 bis 1995 bestritt er sogar acht Kämpfe als Profiboxer, allerdings nicht sehr erfolgreich. Seither ist sein Gesicht nicht nur von den Schlägen sondern auch von zahlreichen und misslungenen Schöhnheits-OPs geprägt. Bekannt und berühmt wurde er in den 80er Jahren durch seine Rollen, in mittlerweile zu Kultfilmen avancierten Streifen wie, “91/2 Wochen”, “Barfly” oder “Angel Heart” und durch seinen exzessiven und zur Gewalt neigenden Lebensstil. So verwundert es auch nicht, dass er gerne Personen mit einem ausgeprägten Hang zur Selbstzerstörung verkörpert.

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Auch in „The Wrestler“ ist das der Fall: Randy “The Ram” Robinson ist ein abgewrackten Ex-Star, keinen Boxer zwar, aber doch einen Wrestler, der in die Jahre gekommen ist, aber nichts anderes gelernt hat. Nach einer Bypass-Operation muss er nach Alternativen suchen – und findet sich in einem Supermarkt hinter der Fleischtheke wieder. Da das nun überhaupt nicht seine Sache ist, versucht er sein Comeback im Ring, wo neben dem psychischen auch der physische Schmerz hinzukommt: er wird geschlagen, getreten und mit Glasscherben und Stacheldraht traktiert. Die Jury war so begeistert, dass sie Mickey Rourke sogar die „Coppa Volpi“ für den besten Darsteller verliehen hätte, aber Schauspielerauszeichnungen dürfen in Venedig nun mal nicht mit anderen Hauptpreisen kombiniert werden. Naja, dann halt gleich den Oscar für Mickey!